Toyota-Manager Yoichi Tomihara
Deutschstunde für Japaner

Yoichi Tomihara staunte nicht schlecht. Die Stadt Köln schickte ihm einen Brief und forderte den Deutschland-Chef des Automobilherstellers Toyota auf, an einem Integrationskurs teilzunehmen.

hof KÖLN. Das Unternehmen, das in der Region mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigt und das von Köln aus im vergangenen Geschäftsjahr einen Deutschland-Umsatz von 2,3 Milliarden Euro steuerte, wollte sich offiziell zu dem Vorfall nicht äußern. Aus dem Firmenumfeld wurde jedoch bestätigt, dass die Behördenpost beim Toyota-Management für Verwirrung gesorgt hat.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete am Wochenende, dass neben Tomihara noch mehr führende Manager des japanischen Konzerns die Aufforderung zu Integrationskursen erhalten hatten. Die Zeitung hatte den japanischen Generalkonsul in Düsseldorf, Takashi Goto, damit zitiert, dass die Angelegenheit aber bereinigt sei: „Die Toyota-Mitarbeiter müssen an den Integrationskursen nicht teilnehmen.“ Es sei wohl ein „Missverständnis“ gewesen.

Gerade bei asiatischen Managern, die traditionell sehr viel Wert auf ihr Image in der Öffentlichkeit legen, führt eine solche Missachtung ihres Status zu Verärgerung, wissen Asien-Kenner.

Hintergrund ist die Integrationskursverordnung der Bundesregierung, die für Ausländer, die „nicht über einfache Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen“, einen Sprachkurs vorschreibt. Dafür werden 630 Stunden veranschlagt. Auf diese Verordnung beruft sich auch die Kölner Ausländerbehörde, die jedoch einräumt, dass die Verordnung nicht unbedingt für auf Zeit entsandte Spitzenmanager gedacht ist, und die „Irritationen“ bedauert.

Da es bei internationalen Konzernen schließlich üblich ist, Manager aus der Zentrale für einige Jahre ins Ausland zu schicken, ohne dass sie dort den Status eines „Einwanderers“ anstreben, greift die Verordnung im Fall Toyota wohl kaum. Zumal erlaubt sie Ausnahmen, wenn ein Aufenthalt von wirtschaftlicher Bedeutung für die Region ist.

Mit dem Toyota-Deutschland-Chef hat die Stadt Köln zudem einen Manager verärgert, der im Rahmen seiner Möglichkeiten um eine Annäherung an Deutschland bemüht ist. Er versteht weitgehend die deutsche Sprache, hält sogar kleinere Ansprachen schon mal in Deutsch, ist Fan deutscher Opern und besucht gerne historische Stätten in Deutschland.

Richtig begeistert zeigte sich der 55-Jährige im vergangenen Jahr in einem Interview vom Kölner Karneval, an dem er aktiv teilnimmt. „Es ist eine wunderbare Erfahrung einer direkten, echten Kommunikation mit Kölner Bürgern – aus der Nähe und von Angesicht zu Angesicht“, gab er zu Protokoll. Seine Eindrücke hätten sich absolut zum Positiven gewendet. „Die Atmosphäre, die Menschen und die Kultur beeindrucken mich“, sagte Tomihara.

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