Tui Travel
Peter Long hat Spaß am Reisen und an guten Renditen

Hundert Tage ist der britische Touristikprofi jetzt Chef des Reiseriesen Tui Travel. Seine erste Bilanz fällt nüchtern, aber optimistisch aus. Wenn Touristiker an Peter Long denken, dann kommt schnell Hochachtung auf.

DÜSSELDORF. Fünf Prozent Rendite erwirtschaftete der 54-Jährige über Jahre mit dem britischen Reiseveranstalter First Choice Holidays – in einer krisenanfälligen Branche, in der zwei, drei Prozent durchaus schon als ansehnlich gelten. Im neuen Job als Chef des europäischen Reiseriesen Tui Travel plc ist der Brite mit dem Pokerface davon noch ein Stück entfernt.

Aber er hat auch noch ein bisschen Zeit: Die „Pro-forma“-Bilanz, die er gestern vorlegte, stand am Ende seiner ersten hundert Tage in dem neuen Job. Am 3. September war an der Londoner Börse der Handel mit der Touristik-Aktie gestartet worden – das Papier jener Firma, die aus der Fusion von First Choice mit den Reise-Aktivitäten des hannoverschen Tui-Konzerns entstanden war.

Die Deutschen halten zwar 51 Prozent an Tui Travel. Und sie betonen immer wieder, dass sie aktiv über das Board in die Entwicklung der Londoner Firma eingreifen wollen. Doch der Boss ist Peter Long. Das wird auch daran deutlich, dass er in der AG in Hannover seit Juli einen Vorstandsrang innehat. In der deutschen Branche wird immer wieder unverhohlen festgestellt, dass Tui-Chef Michael Frenzel nach glücklosen Jahren in der Touristik überhaupt keine bessere Idee haben konnte, als das schwierige Geschäft in die Hände des nüchternen Engländers aus der Grafschaft New Hampshire zu geben.

Denn er ist ein Vollblut-Touristiker. Ein gelernter Buchhalter und Controller zwar, aber einer, der schon Jahrzehnte Branchenerfahrung mitbringt. Mit klarer Ansage: Er wolle nicht der größte, aber der profitabelste Reiseveranstalter in Europa sein. Er ist auch einer, der selbst gerne reist. Geschäftlich ohnehin: Statt vom Schreibtisch zu regieren, klärt er Probleme und Pläne lieber vor Ort im Gespräch. Und er ist einer, der Spaß hat an Urlaubsreisen als begeisterter Segler und Wasserski-Freak. Eine Begeisterung, die ihn früh darauf gebracht hat, dass der Verkauf von Urlaubsreisen auch in einem großen Konzern wie First Choice nicht auf Massenprodukte wie den Klassiker „Zwei Wochen Mallorca“ beschränkt bleiben muss. Nein, Long kaufte vielversprechende Kleinveranstalter in den Nischen des bunten Reisegeschäfts zusammen.

Mit bemerkenswertem Erfolg: Schon in seiner gestrigen Zwischenbilanz trägt die Sparte der vielen Spezialisten fast die Hälfte des operativen Ergebnisses der Tui Travel bei. Wenn es Long gelingt, diesen Erfolg aus Großbritannien insbesondere auf den deutschen und den skandinavischen Reisemarkt auszudehnen, ist die fünfprozentige Umsatzrendite vielleicht doch nicht so weit weg – auch wenn der gute alte Tui-Tanker derzeit noch auf anderem Kurs ist.

Auf den ersten Blick wirkt der Tui-Travel-Chef ein wenig unnahbar. Er ist kein Freund der vielen Worte. Als er im September auf einem Kongress in Köln seinen ersten deutschen Auftritt in der neuen Funktion hatte, war das offenkundig. Routiniert und höflich wiegelte er alle Detailfragen ab und verwies auf die hundert Tage, die er erst einmal für sich und sein Team beanspruchte. Große Worte waren es auch gestern nicht. Immerhin äußerte er zurückhaltenden Optimismus. Tui-Aktionäre können mal wieder hoffen.

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