UBS
Marcel Ospel testet die Grenzen seiner Macht

UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel steht im Zuge der Finanzkrise im Fokus der Aufmerksamkeit: Während sein Institut zu den Banken gehört, die besonders stark von den Auswirkungen betroffen sind, hält er sich scheinbar sicher im Sattel. Doch was macht Ospel unersetzlich?

ZÜRICH. Es gibt Sätze, die lassen sich so oder so verstehen: "Ich will Teil der Lösung des Problems sein“, sagte UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel gestern, nachdem er die neuen Milliardenverluste der Schweizer Großbank bekannt gegeben hatte – und blieb.

Ospel ist damit unter den Bankern, die die Krise besonders arg gebeutelt hat, einer der letzten Überlebenden in einer Führungsposition. Stanley O’Neal nahm bei Merrill Lynch seinen Hut, Charles Prince bei der Citigroup. Warum kann Ospel sich halten, der nicht irgendein nebenamtlicher Vorsitzender, sondern ein hauptamtlicher Präsident bei der UBS ist – und der zudem auch in jenem dreiköpfigen Komitee des Verwaltungsrates sitzt, das festlegt, wie viel Risiko die einzelnen Unternehmensbereiche auf sich nehmen dürfen?

Wer sich in Zürich umhört, erhält die unterschiedlichsten Antworten. Der Self-Made-Banker gilt als Mann mit untrüglichem Gespür für die Macht und das Mögliche. Einer, der ihn ersetzt, ist weit und breit nicht in Sicht. Die Mühe, die die Konkurrenz hatte, geeignete Nachfolger zu finden, gilt in Zürich als Beweis, dass es richtig ist, an dem Altvorderen festzuhalten. "Dazu“, so sagt ein Banker, "kommt bei Ospel der Antrieb, das, was schief gelaufen ist, wieder gerade zu biegen.“ Den Ehrgeiz könne nur ein Betroffener entwickeln, der damit allen unbelasteten Kandidaten etwas voraus hat.

Etwas hat Ospel seinen Gedanken zur Problemlösung gestern übrigens doch noch hinzu gefügt: "Ich will und erwarte keinen Bonus“, sagte er. 2006 hatte er einen Gesamtlohn von 26,6 Mill. Franken (rund 16 Mill. Euro) erhalten. Das waren elf Prozent mehr als 2005. Das Grundentgelt hatte zwei Mill. Franken betragen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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