Übernahme von Pro Sieben Sat 1
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Am Donnerstagabend wenigstens war alles fast wie normal. Mathias Döpfner arbeitete konzentriert am Zapfhahn auf der Weihnachtsfeier des Axel Springer Verlags. Der Schöngeist mit der schicken Kellnerschürze schenkte wie am Fließband Beck's- Bier für die vielen hundert Mitarbeiter in der Berliner Springer-Passage aus. Das ist gut für den Corpsgeist von Europas größtem Zeitungskonzern.

DÜSSELDORF. Denn normal ist derzeit wenig im Hause Springer. Und deshalb wirkt der Vorstandschef in letzter Zeit nicht so ruhig wie gewohnt. Als angespannt nehmen seine Mitarbeiter den 1,92 Meter großen Freund eleganter Krawatten wahr.

Verwundern kann das nicht - er kämpft um das Geschäft seines Lebens: die drei Milliarden Euro teure Übernahme des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1. Döpfner wirft sich persönlich bei den Wettbewerbshütern in die Bresche, um Bedenken gegen die Fusion Springers mit der Sendergruppe zu zerstreuen.

"Der liebe Gott hat ihm ein rhetorisches Talent geschenkt", sagt ein ehemaliger Springer-Vorstand über den früheren Musikjournalisten Döpfner. Diese Begabung hatte er auch am Dienstag in Potsdam wieder eingesetzt. In den Räumen der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) zeigte sich der Springer-Chef, der gar nicht weit von der Wettbewerbsbehörde wohnt, von seiner angenehmen Seite. "Bei seinem Auftritt war er flexibel, geschmeidig und eloquent", berichten Beteiligte.

Döpfner hinterließ bei den Medienwächtern einen guten Eindruck. Ein erster Sieg auf dem Weg zur Fusion des "Bild"-Konzerns mit den Sendern Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1 und N24 scheint zum Greifen nahe. Die härteste Nuss, die Döpfner zu knacken hat, sind die Bedenken des Bundeskartellamts. Die Würfel in Bonn sollen bis 27. Dezember fallen.

Döpfner versucht umzusetzen, wovon einst Konzerngründer Axel Cäsar Springer und Fernsehpionier Leo Kirch träumten: die Verschmelzung von Zeitung und Fernsehen. Damit könnte der neue Medienriese zumindest in Deutschland mit Bertelsmann auf Augenhöhe konkurrieren.

Für Döpfner geht es um den größten Sieg oder die größte Niederlage seiner Karriere. Der selbstbewusste Verlagschef ist bei der KEK zu Zugeständnissen wie der Schaffung eines Fernsehrates bereit, der Vielfalt und Qualität auf den Kanälen sichern soll. Mit der neuen Flexibilität will der gebürtige Bonner verhindern, dass Pro Sieben Sat 1 wieder an die Investorengruppe um Hollywood-Milliardär Haim Saban zurückfällt.

Das Projekt eines Super-Springer-Konzerns ist in Finanzkreisen umstritten. Denn Springer wäre nach der Übernahme kaum mehr als ein riskanter Optionsschein auf die darbende deutsche Konjunktur. "Die Investoren in London haben längst kalte Füße bekommen", sagt ein ehemaliger Springer-Vorstand. Auch ein Londoner Analyst sagt: "Die Erfolgsstory von Döpfner sehen wir nicht."

Wenigstens der Unterstützung von Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer kann sich der Verlagslenker aber sicher sein. Die freundliche Dame von der Insel Föhr hatte den einstigen "Welt"-Chefredakteur und Vorstandsmitglied für die elektronischen Medien vor drei Jahren zum Nachfolger des glücklos agierenden Vorstandschefs Gus Fischer gemacht.

Seitdem blieb bei Springer kein Stein mehr auf dem anderen. Der Protegé der Verlegerwitwe kann heute schalten und walten wie Axel Cäsar Springer zu seinen besten Zeiten. Döpfner verkaufte Zeitungen in Österreich, Grundstücke in Berlin und Madrid, Buchverlage wie Ullstein, gründete Blätter wie "Fakt" in Polen, interessierte sich für den "Daily Telegraph" und verschmolz die Druckereien mit denen vom Konkurrenten Bertelsmann.

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