Übernahmen in Europa
Lasst die Chinesen ruhig kommen!

Die Angst geht um: Kaufen sich chinesische Firmen und Staatsfonds immer mehr in deutsche Unternehmen ein? Sie könnten ja die zuletzt stark gesunkenen Kurse nutzen. Es wäre sogar wünschenswert. Ein Kommentar.
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Kurz hintereinander ist der chinesische Staat in den französischen Versorger GDF Suez und in die Munich Re eingestiegen – zwei alte europäische Schwergewichte. Droht jetzt ein Ausverkauf nach Fernost? Nutzt China die Schwäche des Westens schamlos aus? Sind unsere nationalen Interessen in Gefahr? Müssen durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer bald womöglich Chinesisch lernen?

Die Antwort auf alle diese Fragen lautet „nein“. Im Gegenteil, wir sollten chinesische Investoren auf breiter Front willkommen heißen und ihnen möglichst gute Bedingungen bieten.

Es ist nicht das Geringste daran auszusetzen, wenn chinesische Institutionen sich während einer Börsenschwäche mit europäischen Aktien eindecken. Das stützt die Kurse und stärkt das Vertrauen in den Markt. Die europäischen Börsen sind dermaßen liquide, dass neue ausländische Investoren sie nicht aus dem Gleichgewicht bringen können. Neue, potente Käufer am Markt stärken vielmehr den Wert der eigenen Unternehmen. Wenn die Kurse wieder steigen, nützt das auch den einheimischen Anlegern.

Auch strategische Investoren aus China sollten willkommen sein. Bisher sind viel zu wenige davon in Deutschland aktiv. Wenn sich chinesische Großunternehmen deutsche Firmen schnappen, dann handelt es sich meistens ohnehin um Pleitekandidaten. Jüngstes Beispiel war der zahlungsunfähige Dichtungshersteller Saargummi, der glücklich bei einem Unternehmen aus der westchinesischen Stadt Chongqing unterkam. Die zahlungskräftigen Investoren aus Fernost treten hier als Retter auf, die Arbeitsplätze sichern.

Es wäre wünschenswert, wenn die Chinesen nicht nur angeschlagene Firmen übernehmen - schließlich ist eine Sanierung aus der Ferne auch nicht einfacher als im Inland. Firmenhochzeiten zwischen Ost und West unter positiven Vorzeichen würden Deutschland noch viel mehr bringen. Die deutschen Partner erhalten durch die chinesische Mutter einen Zugang zum größten Wachstumsmarkt dieses Planeten. Für manchen Mittelständler würde sich so die Nachfolgefrage lösen und zugleich große Expansionschancen auftun.

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China will mehr als nur die billige Werkbank sein

Kommentare zu " Übernahmen in Europa: Lasst die Chinesen ruhig kommen!"

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  • Deutschland und Europa wird untergehen - Schuld sind "Politiker" und "Journalisten", die auch noch in der Phase des beginnenden Unterganges die heile Welt beschreiben. Clausewitz sagte vor langer Zeit: "Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen!" Europa, speziell die BRD, hat dies aber völlig ausgeblendet! China wird seine Interessen radikal durchsetzen (aus den ihrer Sicher nur logisch) in einem vollkommenen wehrlosen und willenslosen Deutschland. In der BRD ist hingegen nur wichtig, nach welcher Quote welche benachteiligte Minderheit das meiste bekommt...

  • Es kommt, wie es kommen soll. Heute - und da sprech ich aus eigener Erfahrung - kannst Du fähig sein, eine super Ausbildung vorweisen können und trotzdem in Hatz IV kommen. Weil die Eliten sich das lohnende untereinander aufteilen und Du auf dem Arbeitsmarkt nur die Almosen zu schlechter Bezahlung erhältst,wenn Du arbeitsuchend bist. Meine ehemalige Firma hat im Laufe von 3 Jahren 5.000 Stellen gestrichen und somit bin ich auch darunter gefallen und war ein dreiviertel Jahr lang arbeitsuchend, vorher seit 30 Jahren aber noch nie arbeitslos. Was ich da erlebt habe auf dem Arbeitsmarkt wünsche ich jedem, der sich das nicht vorstellen kann, obwohl so viele Berichte ind en Medien heirüber gesendet werden.

    Ob jetzt einer Ackermann heisst oder Hartz IV bezieht: rein theoretisch hat jeder per Grundgesetz die gleichen Rechte, rein theoretisch wie gesagt. Bei einem Rechtsstreit ist Dein Erfolg davon abhängig, ob Du Dir einen engagierten Rechtsverdreher zu hohem Honorar leisten kannst.
    Ich hoffe nicht, dass China uns aufkaufen kann - wehe uns, bei dem Menschenunrechtsbewusstsein.

  • Zitat Pendler:

    wir auch immer sehr darauf geachtet haben, dass der Hartz-IV Empfänger die selben Rechte hat, wie ein Herr Ackermann

    Echt? Hab ich ja noch gar nicht gewußt^^ Was meinen sie denn Konkret? Achso - hab ich ja ganz vergessen - Herr Ackermann ist ja DER Oberleistungsträger unserer Gesellschaft wohingegen ein Arbeitsloser nur einen Euro hinzuverdienen darf sozusagen^^
    Und die ganzen Aufstocker sind selber Schuld, wenn sie für den Hungerlohn, den die vom Herrn Ackermann finanzierten Firmen in Deutschland zahlen nicht leben können - schon klar^^
    hartz4 Empfänger sind alles blöde...is ja auch klar

    Merken sie nicht, wie sie genau in das Horn Tuten, das Ihnen die Medien und meinungsmacher hinhalten indem sie nur über die Extremfälle berichten?

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