Ungenutzte Fachkräfte
Die Space Cowboys der Industrie

Daimler setzt auf Rentner, SAP auf Autisten, AfB auf Behinderte: Immer mehr Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter abseits der Bewerbernormen. In der Praxis zeigt sich, dass an vielen Vorurteilen nichts dran ist.
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DüsseldorfMit Clint Eastwood haben die Rentner von Daimler etwas gemeinsam. In dem Film „Space Cowboys“ spielt der Hollywoodstar einen längst in den Ruhestand gegangenen Piloten. Für eine letzte Reparatur darf er ins All fliegen. Ähnlich ist es auch bei dem deutschen Autobauer. Zwar machen sich die ehemaligen Mitarbeiter des Konzerns nicht auf den Weg in den Weltraum, doch auch ihr Wissen wird noch gebraucht – genau wie das von Eastwood im Film.

Seit einem Jahr holt Daimler seine „Space Cowboys“, wie sie intern heißen, zurück in das Unternehmen. In beratender Funktion helfen sie dann jüngeren Mitarbeitern mit älteren Systemen oder bei der Einführung eines neuen Produkts. So soll das Wissen der „Space Cowboys“ im Unternehmen bleiben, aber auch den jüngeren den Einstieg erleichtern.

Es ist eine ungewöhnliche Idee für eine Industrie, die Rentner lange nicht beachtet hat. Und Daimler ist mit seinem Projekt nicht alleine. Langsam entdeckt die Industrie Potenziale, die sie bislang nicht im Blickfeld hatte. Denn nicht nur Rentner können und wollen (mehr) arbeiten. Dasselbe gilt auch für Mütter, Menschen mit Behinderung oder Autisten – auch wenn die Qualifikationen und Bedürfnisse dieser Gruppen sehr unterschiedlich sind. Genau wie die Vorurteile, gegen die sie kämpfen müssen.

In Zeiten des demografischen Wandels muss auch die Wirtschaft reagieren. Der drohende Fachkräftemangel zeigt sich nicht nur an den Ausbildungszahlen:  Seit 2007 sinkt die Zahl der Lehrlinge kontinuierlich, wie das Statistische Bundesamt im Mai mitteilte. Auch 2013 waren es wieder weniger als im Vorjahr. Besserung ist nicht in Sicht.

Lösung liegt nicht im Ausland, sondern vor der Haustür

Eine Problembranche: der IT-Sektor. Das Fachgebiet wächst durch die Digitalisierung exponentiell. Aber Fachkräfte sind nur schwer zu finden. Die EU-Kommission schätzt in einer Studie, dass allein bis 2015 900.000 Stellen in der digitalen Wirtschaft in Europa unbesetzt bleiben.

Für viele Unternehmen liegt die Lösung im Ausland. Sie fordern von der Regierung leichtere Arbeitsbedingungen für Zuwanderer. Doch die Antwort auf den Wunsch nach mehr Fachkräften liegt nicht nur im Ausland, sondern vor der Haustür. Hunderttausende Fachkräfte sind in Deutschland arbeitslos – sie passen nur nicht in das Bewerbungsmuster der Unternehmen.

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  • "...dass der 25-Järige mit 20 Jahren Berufserfahrung wohl doch nur ein Produkt der Phantasie nach einigen Bieren ist."
    Stimmt, am Ende wird er aber doch oft genomment, weil er billiger und williger ist und vieles akzeptiert, nur um nicht in die Generation "Praktikum" hineinzurutschen, um aus dieser dann nie mehr herauszukommen.

  • "...dass der 25-Järige mit 20 Jahren Berufserfahrung wohl doch nur ein Produkt der Phantasie nach einigen Bieren ist."
    Stimmt, am Ende wird er aber doch oft genomment, weil er billiger und williger ist und vieles akzeptiert, nur um nicht in die Generation "Praktikum" hineinzurutschen, um aus dieser dann nie mehr herauszukommen.

  • Rentner in beratende Positionen zu holen ist ja nun nicht allzu neu. In Japan kann man sich aus- und als Berater wieder einstellen lassen. Das hat schon seit einigen Jahren Tradition. In Deutschland, wo die Uhren immer etwas langsamer gehen, hat man wohl gemerkt, dass der 25-Järige mit 20 Jahren Berufserfahrung wohl doch nur ein Produkt der Phantasie nach einigen Bieren ist.

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