Unter Chefinnen lässt sich kaum Karriere machen – sie machen es anderen allzu schwer
Männlicher als Männer

Die Frauen haben es wieder mal geschafft. Geschafft, im Berufsleben noch mehr Minuspunkte zu sammeln. Dieses Mal ging es um die Frage: Unter welchem Chef kann man überhaupt Karriere machen?

DÜSSELDORF. Bei Männern auf dem Chefsessel taucht Misstrauen da eher selten auf – bei Frauen ist das durchaus anders. Eine Umfrage vom Marktforscher Europressedienst in Bonn, die dem „Handelsblatt“ exklusiv vorliegt, ergab: 45 Prozent der Angestellten – davon neun Prozent Führungsfrauen – haben deutliche Vorbehalte gegen Chefinnen. Der Grund: Sie glauben, dass sie unter weiblichen Vorgesetzten viel schlechtere Karrierechancen haben als unter männlichen. Befragt wurden mehr als 1 000 Angestellte in Deutschland.

Hoffnung auf die nächste Generation besteht nach dieser Umfrage auch nicht: Bei den jungen Leuten bis 25 Jahre sind es sogar 72 Prozent, die solche Vorbehalte gegen Frauen hegen. Einigkeit besteht bei den Befragten darüber, dass es Frauen im Job grundsätzlich schwerer haben: 70 Prozent der Befragten meinen, dass Frauen nicht so einfach Karriere machen. Und eben da dürfte schon einer der Gründe für die Zweifel an den Chefinnen herkommen. Michael Forst, Geschäftsführer beim Europressedienst, urteilt: „Frauen wurden immer schon benachteiligt, und diese Erfahrung geben sie weiter. Sie machen es anderen auch nicht leicht.“

Einen weiteren Grund kennt Headhunter Uwe Schuricht, Chef der Change Group aus Berlin: „Frauen sind nicht an den Netzwerken der Männer mit ihren Kontakten über das eigene Unternehmen hinaus beteiligt.“ Eben solche Kontakte können nachgeordneten Mitarbeitern aber beim Aufstieg Wege ebnen. „Frauen sind weniger Buddy“, bringt Schuricht dieses Manko auf den Punkt. Dabei lässt er keinen Zweifel an Qualität: „Die wenigen Frauen, die es hier zu Lande in Führungspositionen gibt, sind wirklich sehr gut. Die mussten sich gegen so viele Widerstände durchsetzen, dass sie wissen, wohin sie wollen.“

Wie wenige es sind, wurde den Unternehmen erst kürzlich vor Augen geführt: als Karin Dorrepaal erster weiblicher Vorstand eines Dax-Konzerns wurde. Und zwar weder als Deutsche noch aus einem deutschen Unternehmen kommend – sie ist Holländerin und von der amerikanischen Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Ein Zufall? Wohl kaum. „Es kann nicht sein, dass es keine deutschen Frauen gibt, die das nicht auch könnten“, urteilt Schuricht.

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