Urteile
Wenn das Fluggepäck weg ist

Landung auf Mallorca und Koffer in Moskau? Fehlgeleitetes Gepäck raubt Fluggästen den letzten Nerv. Stellt sich die Airline quer, geht der Streit meist vor Gericht weiter.

Eingedellt

Ein kanadischer Posaunist flog von Montreal nach Stuttgart. Seine Instrumente waren nach der Landung verbeult und zerkratzt. Der Musiker meldete den Schaden sofort am Schalter der Fluggesellschaft. Der Mitarbeiter drückte ihm wortlos ein Formular in die Hand. Der Kunde ließ den Schaden von einem Händler schätzen und schickte sieben Tage nach der Landung das Formular ausgefüllt zurück. Die Airline weigerte sich zu zahlen: Erstens sei man an dem Schaden nicht Schuld und zweitens die Anzeige verspätet.

Dies sahen die Richter anders. Die Fluggesellschaft hafte verschuldensunabhängig für Blessuren am Reisegepäck. Grundsätzlich müsste der Schaden zwar unverzüglich schriftlich angezeigt werden. Da die Airline die Anzeige nicht aufnehmen wollte und nur ein Fachmann den Schaden richtig habe einschätzen können, sei eine Frist von sieben Tagen angemessen. Der Musiker bekam 1380 Euro Schadensersatz (Oberlandesgericht Stuttgart, 3 U 272/05).

Ausgetrickst

Einige Fluglinien versuchen sich im Kleingedruckten ihrer Verträge aus der Verantwortung zu stehlen. Beispiel: Für Computer, Schmuck oder Wertpapiere wollte eine Fluggesellschaft nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit ihrer Angestellten haften. Die Klausel sei ungültig, entschied der Bundesgerichtshof (X ZR 165/03).

Aufgebrochen

Ein Rheinländer reiste aus Neuseeland zurück in die Heimat. Bei der Gepäckaufnahme ereilte ihn der Schock: Sein Koffer war offensichtlich mit roher Gewalt aufgebrochen worden; die Wertgegenstände darin waren geklaut. Geschätzter Schaden etwa 4 000 Euro. Die Gesellschaft wollte nur die Haftungshöchstsumme von 930 Euro zahlen. Der genervte Fluggast zog vor Gericht. Das Oberlandesgericht Köln schlug sich auf seine Seite. Bei einem offensichtlich gewaltsam geöffneten Koffer müsse die Fluggesellschaft beweisen, dass kein Fehlverhalten ihres Personals vorgelegen habe (22 U 145/04).

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