Vor allem im Mittelstand
Schuld sind immer die anderen

Es gibt viele Gründe, weshalb Unternehmen in eine Krise schlittern. Dass sie oft nicht wieder herausfinden, liegt häufig an den Chefs.

Der Chef der Berliner Metallbaufirma gab sich stinksauer: „Die aus dem Osten verderben uns alle Preise“, schimpfte er am „Runden Tisch“ der Deutschen Ausgleichsbank (DtA). Außerdem sei die Zahlungsmoral innerhalb der Baubranche nicht mehr das, was sie mal war. Beides hätte dazu geführt, dass die Geschäfte seines Unternehmens nicht mehr so gut liefen – genauer gesagt, liefen sie sogar sehr schlecht.

Klagen wie diese hören die Teilnehmer des runden Tisches immer wieder. Seit 1998 versuchen Vertreter von Banken, Unternehmensberatungen und der IHK mit dieser bundesweiten Initiative, krisengeschüttelten Unternehmern auf die Sprünge zu helfen.

Dies ist nicht immer einfach, denn oft zeigen sich die Chefs der meist mittelständischen Firmen Verbesserungsvorschlägen gegenüber nicht aufgeschlossen: Die Schuld an der Misere liegt ihrer Meinung nach nicht bei ihnen selber.

Nur 37 Prozent von 200 befragten Unternehmern, die an runden Tischen teilgenommen hatten und kürzlich von der DtA zu ihren Erfahrungen befragt wurden, glauben, dass Planungsfehler bei der Finanzierung, eigene Managementfehler und Schwächen in der Unternehmensführung Ursachen für ihre Krise sind. Dass die schlechten Zahlen hausgemacht sind, glauben dagegen 60 Prozent der 350 befragten Berater vom runden Tisch.

Viele Menschen neigten dazu, die Fehler bei anderen zu suchen, meint Walter Straub, Mitgründer und heute Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmensberatung Comteam: „Bei Führungskräften ist dieses Verhaltensmuster besonders ausgeprägt.“ Karriere in der Wirtschaft machten in der Regel nicht die Selbstreflektierten, sondern die Selbstsicheren.

Zu den positiven Effekten dieser Einstellung gehört, dass Unternehmer und Top-Manager in der Lage sind, Dinge anzupacken und zu führen. Doch sobald etwas anfängt, schief zu laufen, mangelt es an der Fähigkeit, Fehler einzugestehen und das Steuer herumzureißen.

Entsprechend spielen Unternehmensleiter die Frühindikatoren einer Krise schon mal herunter, sagt Peter Funke, Vorstandsmitglied der Unternehmensberatung SMP. „Wenn es plötzlich Schwierigkeiten gibt, Lieferanten zu bezahlen, heißt es dann: ‚Das ist nur vorübergehend’.“

„Mittelständische Firmen sind häufig traditionelle Familienunternehmen. Die Geschäftsführer sind meistens der Auffassung, alles selber machen zu müssen“, nennt Funke ein weiteres Problem. Die Folge: Die Wertschöpfungskette ist viel zu breit, die Firma macht von der Entwicklung bis zur Vermarktung alles selbst.

Der Chef der Berliner Metallbaufirma hatte den laut Funke oft zu beobachtenden Fehler begangen, sich zu stark am Umsatz und zu wenig am Ergebnis zu orientieren. Als die Geschäfte schlechter wurden, nahm die Traditionsfirma jeden Auftrag an – egal um welchen Preis.

„Es gab überhaupt kein Baustellencontrolling“, sagt Maike Götting, Leiterin der DtA-Beratungsagentur. Ein weiterer gravierender Mangel war ein schlecht funktionierendes Mahnwesen. Schließlich gehorchte der Unternehmer der Not und reduzierte die Mitarbeiter von 50 auf 15. Ob er es trotzdem durch die Krise schafft, lässt sich zwar noch nicht absehen. Maike Götting ist jedoch zuversichtlich: „Die Erfolgsaussichten sind positiv.“

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