VW-Aufsichtsrat
Frauenpower statt Patriarch

Nach dem Führungsstreit bei Volkswagen legten Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula ihre Aufsichtsratsposten nieder. Nun stehen die Nachfolgerinnen fest. Es sind zwei Frauen aus der vierten Generation des Familienclans.
  • 0

WolfsburgDer Aufsichtsrat des Autobauers Volkswagen ist nach dem Rücktritt von Chefkontrolleur Ferdinand Piëch und seiner Ehefrau Ursula wieder vollzählig. Mit Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch ziehen zwei Frauen in das 20-köpfige Kontrollgremium ein, wie die Volkswagen AG am Donnerstag mitteilte. Beide stammen aus dem Familienclan der VW-Großeigner Porsche/Piëch. Unklar bleibt aber bis auf weiteres, wer der nächste Aufsichtsratsvorsitzende wird. Klar ist nun jedoch: Mit den zwei Nachrückerinnen bleibt die Kapitalseite des Gremiums weiterhin geprägt von der österreichischen Autodynastie.

Mit den beiden Frauen erfüllt die Seite der Kapitaleigner im VW-Aufsichtsrat die ab 2016 geltende Zielvorgabe von 30 Prozent Frauenanteil schon heute. Annika Falkengren ist die dritte Frau auf der insgesamt zehnköpfigen Kapitalseite. Aufseiten der Arbeitnehmer sitzt bisher erst eine Frau: Babette Fröhlich von der IG Metall. Die zwei Frauen rücken mit sofortiger Wirkung für das am Samstag zurückgetretene Ehepaar Ferdinand und Ursula Piëch nach. Beide stammen aus dem PS-Clan der Porsches und Piëchs.

Louise Kiesling ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Kreisen der Salzburger PS-Dynastie eine Tochter der verstorbenen Louise Daxer-Piëch (1932 bis 2006). Deren Mutter Louise Porsche (1904 bis 1999) war wiederum die Tochter des Porsche-Gründers und VW-Käfer-Ingenieurs Ferdinand Porsche (1875 - 1951). Sie hatte in den Namen Piëch hineingeheiratet, weswegen der PS-Clan seither nicht mehr einheitlich Porsche heißt, sondern in zwei Flügel aufgeteilt ist.

Julia Kuhn-Piëch ist demnach eine Tochter von Hans Michel Piëch, der bereits im Aufsichtsrat sitzt und Ferdinand Piëchs jüngerer Bruder ist. Seine Generation umfasst vier Geschwister. Die Nachrücker entstammen beide der vierten Familiengeneration.

Nach Informationen von „Bild.de“ missfällt Ferdinand Piëch die Berufung der neuen Aufsichtsratsmitglieder. Piëch stößt sich nach diesen Informationen an deren fehlender beruflicher Erfahrung in der Automobilindustrie. Stattdessen favorisiere er den früheren BMW- und Linde-Manager Wolfgang Reitzle und das langjährige Siemens-Vorstandsmitglied Brigitte Ederer.

Louise Kiesling ist 57 Jahre alt. Sie hat den Angaben zufolge nach Studienabschlüssen in Modedesign (Universität für Angewandte Kunst, Wien) und Automobildesign (Royal College of Art, London) als Designerin in Deutschland, Österreich und Großbritannien gearbeitet. Sie ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Wirtschaftsunternehmen, darunter befindet sich die Textilmanufaktur Backhausen GmbH (Hoheneich, Österreich).

Julia Kuhn-Piëch ist 34 Jahre alt, wohnt wie Großteile des PS-Clans in Salzburg und ist Immobilienkauffrau. Sie übt bereits eine Aufsichtsratsfunktion bei der VW-Nutzfahrzeugtochter MAN aus. Sie studierte Jura und anschließend an der Technischen Universität Wien Immobilien- und Liegenschaftsmanagement.

Kommentare zu " VW-Aufsichtsrat: Frauenpower statt Patriarch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%