Warnhinweise
Autobranche fürchtet Werbe-Auflagen

Pläne der EU sorgen bei Herstellern und Kreativen für Unruhe: In der Autowerbung könnten Warnhinweise auf die Umweltschädlichkeit der Modelle bald Pflicht werden. Branchenvertreter warnen bereits vor Einschränkungen wie in der Tabakwerbung. Doch die Gängelung könnte auch Potential für eine umweltbewusstere PR bieten.

DÜSSELDORF. Bereits auf dem Weg zu seiner Agentur, die einen beneidenswerten Blick auf die Binnenalster bietet, will es der Hamburger Werber Michael Trautmann wissen. Steckt er morgens den Schlüssel in das Zündschloss seines Audi A3, konzentriert sich sein Ehrgeiz auf die Digitalanzeige des Bordcomputers. „Ich will beim Verbrauch in der Stadt unter sechs Litern bleiben“, sagt der Mitinhaber der Agentur Kemper-Trautmann, die Audi und Media-Markt zu ihren Kunden zählt.

Ohne Blick auf den Durchschnittswert könnte der Werbeprofi schnell acht Liter durch den Dieselmotor jagen. Trautmanns Vorschlag zu Spritersparnis und Umweltschutz: Die Autobauer sollten der Verbrauchsanzeige anstelle des Drehzahlmessers einen zentralen Platz hinter dem Lenkrad einräumen.

Auch beruflich wird das Thema Umweltschutz für den Werber zunehmend wichtiger. „Die Regulierungsschraube wird anziehen,“ sagt Trautmann dem Handelsblatt – und meint damit das Vorhaben der EU-Kommission, Werbekampagnen für Autos mit deutlich sichtbaren Hinweisen auf deren Umweltverträglichkeit – sprich Umweltgefährdung – zu versehen. „Die EU plant, den Automobilherstellern vorzuschreiben, in der Werbung auf Sportlichkeit und Dynamik zu verzichten“, sorgt sich Lothar Leonhard, Deutschland-Chef der Agentur Ogilvy, die British American Tobacco und Ford bewirbt.

Dafür müssten Kraftstoffverbrauch und Emissionsangaben mindestens so groß abgedruckt werden wie der Hauptteil der Botschaft, die Überschrift. Der langjährige Präsident des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen (GWA) zweifelt, „ob die Autoindustrie begriffen hat, dass sie gedrängt wird, ihre Werbung mit Trauerrand zu gestalten“.

Wann die EU-Kommission mit genauen Vorschlägen kommt, ist derzeit noch unklar, heißt es beim Verband der Automobilindustrie. Das Schreckensszenario der Werbeprofis wäre ein Warnhinweis: „Autofahren gefährdet ihre Gesundheit“.

Offiziell will kein deutscher Autobauer näher Stellung nehmen. „Das ist ein Thema für den Verband“, sagt eine Daimler-Sprecherin. Allerdings verweist sie darauf, dass man längst umweltfreundliche Fahrzeuge unter dem Label Bluetec bewerbe. Beim Rivalen BMW heißt ein ähnliches Programm Efficient Dynamics.

Ein Marketingmanager des VW-Konzerns gibt immerhin hinter vorgehaltener Hand die Sorgen der Branche wieder: „Würden die Vorstellungen der EU umgesetzt, hätte das starke Einschränkungen für die Autowerbung zur Folge. Das wäre vergleichbar mit den zunehmenden Restriktionen bei der Tabakwerbung und hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen.“ Es gebe nichts Traurigeres als Zigarettenwerbung, sagt ein Werber. Entweder entscheide sich die Gesellschaft, etwas zu verbieten, oder sie müsse Werbung dafür aushalten.

Seite 1:

Autobranche fürchtet Werbe-Auflagen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%