Weichenstellung für die Zukunft
Inthronisation à la Bertelsmann

Wenn Reinhard Mohn ein neues Buch schreibt, dann ist das für Europas größten Medienkonzern ein einschneidendes Ereignis. Auch dieses Mal. Der Bertelsmann-Patriarch stellt die Weichen für die Zukunft – und verrät indirekt, wer künftig der Chef der Familie sein wird.

DÜSSELDORF. 2003 wurde Reinhard Mohns Frau Elisabeth „Liz“ als Nummer eins im Konzern inthronisiert. Im eleganten schwarzen Kostüm mit Goldknöpfen präsentierte sie sich mit dem Segen ihres Mannes als neue Matriarchin des Familienimperiums.

Nun ist es wieder so weit. Am heutigen Montag kommt das neue Buch von Reinhard Mohn mit dem eher langweiligen Titel "Von der Welt lernen. Erfolg durch Menschlichkeit und Freiheit“ in die Buchläden. Der konzerneigene Verlag C. Bertelsmann preist das Werk als sein "persönlichstes Buch“. Der 87-jährige Urenkel des Verlagsgründers Carl Bertelsmann lässt darin noch einmal sein Leben Revue passieren. Eigentlich nichts Besonderes. Aber wie vor fünf Jahren stellt Reinhard Mohn auch diesmal die Weichen für die Zukunft: Er inthronisiert indirekt seine Tochter Brigitte als künftige Chefin der Familie.

Seinem Sohn Christoph, seit vielen Jahren glückloser Vorstandschef und Gesellschafter der Internetfirma Lycos Europe, zeigt er hingegen die kalte Schulter. Der sympathische, aber unsicher auftretende Christoph wird von seinem Vater Reinhard nur mit einem Halbsatz in seinem Buch bedacht: „Während sich unser Sohn Christoph durch große Eigenständigkeit auszeichnet, teilt Brigitte in ihrer zielgerichteten und verantwortungsvollen Art meine Auffassung, dass jedermann mit seiner Arbeit auch einen Beitrag für die Gemeinschaft zu erbringen hat ... Sie wird als engagiertes Mitglied des Stiftungsvorstands zweifelsohne auch zukünftig ihren Beitrag zur Kontinuitätssicherung der Bertelsmann Stiftung einbringen“, ist sich Mohn sicher, der zurückgezogen auf einem Bauernhof nahe Steinhagen lebt. „Das ist die Weichenstellung für die Zukunft“, sagt ein Konzernkenner. „Brigitte Mohn steht in den Startlöchern, um ihre Mutter zu beerben“, heißt es im Bertelsmann-Umfeld.

Ihr Aufstieg im Konzern ist kontinuierlich. Seit Jahresbeginn gehört sie dem Aufsichtsrat der Bertelsmann AG an. Sie ist Gesellschafterin der Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft (BVG), der eigentlichen Machtzentrale des Konzerns. Als Sprecherin der BVG fungiert noch ihre Mutter Liz. „Doch die Nachfolge als BVG-Sprecherin hat sie sicher“, glaubt ein Mitarbeiter.

Für ihre Rolle als Bertelsmann-Matriarchin ist die 1964 geborene Politikwissenschaftlerin bestens vorbereitet: Sie studierte in Bamberg, Münster und Augsburg Politikwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistik und promovierte später an der Privathochschule Witten-Herdecke. Sie arbeitete als Lektorin am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, war im Direktmarketing für Verlage in den USA und als Beraterin für McKinsey aktiv. Leicht hatte sie es nicht immer: „Von unseren eigenen drei Kindern Christoph, Brigitte und Andreas war unsere Tochter viele Jahre unser größtes Sorgenkind“, schreibt Vater Reinhard über seine Nachkommen aus zweiter Ehe im neuen Buch. Grund: Die Tochter litt an einem schweren Lungenleiden. Und: Von ihren Zwillingen starb eine Tochter an einem Herzfehler.

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