Weltspitze
Controlling ist mehr als nur Zahlen (2)

Handelsblatt.com bietet Ihnen mit der neuen Serie "Weltspitze - wie Deutsche international Erfolg haben" praktische Hilfe: Jeden Montag präsentiert der Personalberater und Buchautor Sergey Frank eine Kolumne zu dem Thema, wie Unternehmer im Ausland Geld verdienen können. Heute geht es darum, wie internationales Controlling richtig funktioniert.
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Das Controlling als ein modernes Managementinstrument hat, auch auf Grund der Internationalisierung, heute noch stärker an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile kön-nen Unternehmen die wesentlichen finanziellen und anderen Implikationen von Geschäftstransaktionen weltweit abrufen und auf ihre Vereinbarkeit mit den geplanten Zahlen prüfen. Lesen Sie heute den zweiten und letzten Teil.

Unsicherheitsvermeidung

Zu unterschiedlichen Wahrnehmungen führt das Merkmal der "Unsicherheitsvermeidung". Aufgrund der relativ stabilen wirtschaftlichen Verhältnisse (sowie der notwendigen Rahmenbedingungen wie des Rechtssystems) sind westeuropäische Unternehmen auf die Antizipation von Risiken fokussiert. Dies spiegelt sich auch in dem hohen Stellenwert von Risikomanagementsystemen wider. Zur Vermeidung von Unsicherheiten spielen auch laufende Kontrollen, im Sinne von detailbezogenen Soll-Ist-Vergleichen, eine wesentliche Rolle.

In Ländern mit weniger stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen werden Risiken häufig eher als Herausforderung denn als Bedrohung wahrgenommen. Führungskräfte zeigen in diesen Kulturen wenig Verständnis für diese häufig als "typisch Deutsch" angesehene Form der Risikoorientierung. Eine Risikowahrnehmung nach den engen, westeuropäischen Maßstäben in Argentinien oder Brasilien würde dazu führen, dass man den Wald (d.h. die unternehmerischen Chancen) vor lauter Bäumen (d.h. Risiken) nicht mehr sieht.

An die Stelle von detaillierten Soll-Ist-Vergleichen (wie z.B. kostenstellenbezogenen Beschäftigungsabweichungen) treten wesentlich rudimentärere Kontrollinstrumente. An die Stelle des Vertrauens in die Verbindlichkeit und Um-setzung von Controlling-Handbüchern und Kontierungsvorschriften tritt die Notwendigkeit, die kulturellen, wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse zu verinnerlichen, um Risiken zu verstehen und damit zu vermeiden.

Insbesondere in der deutschen Kultur der Rechnungslegung hat sich das Bestreben nach Unsicherheitsvermeidung in dem bekannten, im HGB kodifizierten Vorsichtsprinzip nieder geschlagen. Es wird konkretisiert durch das Imparitäts-, das Realisations- und das Nominalwertprinzip. Die Vermittlung dieses Gedankengutes außerhalb der Grenzen des deutschen HGB ist schwierig und beinhaltet mehrere Aspekte: Die Erfahrung zeigt einerseits, dass die Grundsätze des Vorsichtsprinzips insbesondere von den kaufmännisch Verantwortlichen vor Ort häufig positiv aufgenommen werden. In der Umsetzung stößt man andererseits auf ebenso viel Widerstand bei den Ergebnisverantwortlichen, denen an einem "schnellen" Ergebnisausweis gelegen ist. Dies gilt vor allem in angelsächsisch geprägten Ländern.

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