Weltspitze
Wie Zukäufe nicht zum russischen Roulette werden

Handelsblatt.com bietet Ihnen mit der neuen Serie „Weltspitze – wie Deutsche international Erfolg haben“ praktische Hilfe: Jeden Montag präsentiert der Personalberater und Buchautor Sergey Frank eine Kolumne zu dem Thema, wie Unternehmer im Ausland Geld verdienen können. Heute geht es darum, wie Sie in Russland richtig Zukäufe tätigen.
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Die weltweite Finanzkrise hat die meisten Staaten Osteuropas nicht weniger tiefgreifend getroffen als die westliche Welt. Dennoch bestehen mittel- und langfristig erhebliche Potenziale für Kooperationen und Investitionen in dieser Region.

In solchen Zeiten, wo Stamm-Märkte stagnieren, bieten sich neue Perspektiven trotz oder gerade wegen der Finanzkrise an. Diese hat die meisten Schwellenländer empfindlich getroffen. Die Studie „Global Megatrends 2009“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young prognostiziert jedoch, dass das mittel- und langfristige Wachstum der Weltwirtschaft gerade von diesen Ländern getragen wird. „The accelerating shift of power from the west to the east“ wird als erster von sieben globalen Megatrends genannt. Daher wird man an Osteuropa und insbesondere Russland, wie natürlich auch an der Volksrepublik China, Indien und Brasilien, nicht vorbeikommen. In diesem Artikel sollen einige Aspekte beleuchtet werden, die bei Investitionen in Osteuropa, insbesondere in den Ländern der GUS, beachtet werden sollten.

Die Petro-Dollars der Boom-Phase vor 2008 haben insbesondere Russland ermöglicht, Währungsreserven von fast 600 Mrd. USD zu bilden. Diese stehen nun für Konjunkturmaßnahmen zur Verfügung. So wurden bis Ende Dezember 2008 nach offiziellen russischen Angaben bereits 220 Mrd. USD in das russische Wirtschafts- und Finanzsystem gepumpt.

Vertrags-Partnerschaft oder Direktinvestition? Wie geht man strategisch am besten vor? Vertragspartnerschaft oder Direktinvestition vor Ort? Es muss nicht in jedem Falle eine Direktinvestition sein. Man kann die eigenen Ziele in Osteuropa oft auch durch eine reine Vertriebs- oder Technologiepartnerschaft mit etablierten lokalen Partnern erreichen. Dabei sind im Einzelfall Faktoren wie ...

logistische Vorteile einer Fertigung im Zielland

zoll- und steuerrechtliche Erwägungen

Inanspruchnahme von Investitionsanreizen für Direktinvestitionen

Prozess- und Qualitätskontrolle in der eigenen Hand behalten

Know-How-Schutz

Investitionsbedarf für Eigengründung vs. Profit-Sharing mit Partnern

Verlässlichkeit der lokalen Partner u.a. zu beachten

Für die Abwägung der zoll- und steuerrechtlichen Fragen sollten in jedem Fall sehr frühzeitig im Zielmarkt ansässige, kompetente und renommierte Berater hinzugezogen werden. Im Bereich der Zollabwicklung sollte man sich auf „Grau-Importe“ über Mittlerfirmen nicht einlassen.

In Russland „klebt“ z.B. das Haftungsrisiko für nicht oder nicht ordnungsgemäß entrichtete Einfuhrzölle an der importierten Ware. Damit wird es – trotz Einschaltung von rechtlich selbstständigen Importfirmen – zum Risiko desjenigen, der die importierten Waren in Russland vertreibt oder zur Weiterverarbeitung lagert. Naturgemäß ist der entscheidende Faktor für den Erfolg einer Vertriebspartnerschaft die Verlässlichkeit des lokalen Partners. In der Praxis gibt es vielfältige Beispiele, bei denen der lokale Partner seine eigene Agenda hat, sich der Kontrolle durch den deutschen Partner entzieht und „den Rahm abschöpft“. Dieses Risiko besteht allerdings grundsätzlich auch bei Gemeinschaftsunternehmen mit lokalen Partnern und bei einer nicht ausreichenden Auswahl und Kontrolle des lokalen Managements bei Tochtergesellschaften.

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