Werner Böhnke, Chef der WGZ-Bank, versucht sein Institut mit der DZ Bank zu fusionieren
Im zweiten Anlauf

Erst nein, jetzt ja: Werner Böhnke will die WGZ Bank mit der DZ Bank fusionieren. Deren Chef lässt ihn aber zappeln.

FRANKFURT/M. Eigentlich wollte er ja nur Tennis spielen. Doch dann flog er früher als erwartet aus dem Turnier. Statt enttäuscht abzudampfen, blieb Werner Böhnke auf dem Sportfest der genossenschaftlichen Zentralbank WGZ in Düsseldorf und entschied sich kurzerhand für einen Intensivkurs im Inline-Skating: „Ich habe in den drei Stunden ordentlich bremsen gelernt, das gibt Sicherheit.“ Seither sieht man ihn rollend bei morgendlichen Ausflügen am Rhein. Ähnlich flexibel zeigt er sich auch im Job als Vorstandschef der WGZ Bank. Vor drei Jahren lehnte er es noch ab, sich an der Fusion der DG Bank mit der GZ Bank zu beteiligen, weil er glaubte, besser allein klarzukommen – beim Großprojekt fehlte ihm die Strategie. Jetzt macht er eine Kehrtwende und will mit der fünfmal größeren, fusionierten DZ Bank zusammengehen. An Selbstvertrauen mangelt es dem 53-Jährigen dabei nicht. Mit DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner wolle er „auf Augenhöhe“ sprechen: „Wir haben allen Grund, selbstbewusst in die Gespräche zu gehen“, sagt Böhnke mit Blick auf die solide Ertragslage seines Hauses. Brixner hat erst im vergangenen Jahr bei der DZ Bank die Wende geschafft. Und Böhnke hat noch mehr vor: „Wir wollen nicht einfach in der DZ Bank aufgehen. Eine Fusion kann Sinn machen, wenn wir den ganzen Schritt tun.“ Der ganze Schritt heißt für ihn: Die künftige Großbank soll strategische Fragen und das Tagesgeschäft voneinander trennen. Momentan fließt bei der DZ Bank in Frankfurt alles zusammen. Sein Modell von einer Holding und mehreren operativen Tochtergesellschaften kommt bei der DZ aber nicht gut an. In einem Brief an die genossenschaftlichen Mitgliedsinstitute – die Ortsbanken – zeichnet der Vorstand schon das Bild von der drohenden „Zerschlagung der DZ Bank“. Die Mitgliedsbanken selbst geben sich eher indifferent. „Ich kenne das Modell von Herrn Böhnke gar nicht. Doch als kleinerer Partner wird sich die WGZ wohl eher der DZ Bank beugen müssen“, sagt ein Volksbankvorstand aus Süddeutschland. Böhnke hat unterdessen seine Volksbanker im Rheinland und in Westfalen, dem Einflussbereich der WGZ, hinter sich versammelt. Gemeinsam mit seinen Mitgliedsbanken hat er das neue Modell, mit dem er in die Verhandlungen gehen will, in den vergangenen Monaten entwickelt. Fürs Erste herrscht aber Stillstand. Auch knapp sechs Wochen nach seinem Angebot haben sich DZ-Chef Brixner und Böhnke zu Gesprächen in der Sache nicht zusammengesetzt. Der Initiator lässt sich dennoch nicht entmutigen: „Wir wollen in Kürze mit formellen Gesprächen beginnen.“ Böhnke kennt die Befindlichkeiten seiner Kunden, der rund 250 Volks- und Raiffeisenbanken. Sie leben stets in der Angst, ihre Spitzeninstitute könnten zu mächtig werden und sie zu reinen Vertriebskanälen degradieren. „Die Volks- und Raiffeisenbanken tragen die WGZ, wir dürfen nie vergessen, dass wir für sie da sind“, hält der gebürtige Westfale dagegen und wählt seine Worte mit Bedacht. Das hören die Mitglieder vor Ort gern. „Die WGZ ist beispielhaft, ihre Mitgliedsinstitute einzubinden“, gibt ein Volksbank-Vorstand aus Nordrhein-Westfalen die Meinung vieler Volks- und Raiffeisenbanken wieder. Er erklärt dies vor allem mit der Einstellung von Bankchef Böhnke. Dem bescheinigt ein WGZ-Mitarbeiter „Stallgeruch und keine Sonnenkönigallüren“. Böhnke ist ein Mann von der Basis. Der begeisterte Wanderer machte nach der Handelsschule eine Lehre bei der Volksbank und arbeitete sich dann Stufe für Stufe nach oben. Schon mit 32 Jahren stieg er in das Leitungsgremium einer Ortsbank auf. Bevor er 1997 zur WGZ kam, sanierte er als Vorstandschef die Volksbank Münster. Und das alles ohne Studium: Zu den Genossen kam er nach der Handelsschule eher zufällig. Er war noch auf der Suche nach dem richtigen Beruf, als er als Bester des Jahrgangs einen Lehrvertrag bei der Volksbank erhielt. „Und an der Arbeit habe ich Spaß gefunden“, sagt er. Das wirkt nicht aufgesetzt. Überhaupt hat Böhnke wenig vom Image des typischen Bankers. Er trägt zwar dunkelblauen Doppelreiher, Manschettenknöpfe, Einstecktuch und goldene Uhr. Aber anders als viele seiner glatten, eloquenten Kollegen in den privaten Großbanken würde er mit seinem grauen Schnauzbart auch als mittelständischer Unternehmer durchgehen. Mit Mittelständlern hat er regelmäßig zu tun. Die Arbeit mit Kunden vor Ort ist ihm wichtig. „Unsere erste Aufgabe ist es, unsere Kunden erfolgreich zu machen“, betont er. Sein Stil kommt bei vielen Mitarbeitern gut an, obwohl ihn die Umstrukturierungen und Standortverlagerungen der vergangenen Jahre einige Sympathien gekostet haben. Heute soll sich sogar der Betriebsrat mit dem Modell der Fusion anfreunden können. „Wir setzen viel Vertrauen in ihn, dass er in den Verhandlungen unsere Interessen vertritt“, sagt ein Mitarbeiter. Der versucht alles, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Derzeit ist Böhnke noch mehr im Lande unterwegs als sonst. Er fährt zu den Ortsbanken und stellt sich den Fragen, wünscht sich „eine offene Auseinandersetzung.“ Entscheidend ist jedoch, ob sein mächtiger Gegenpart, DZ-Bank-Chef Brixner, sich auch auf die Diskussion einlässt.

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