Wilhelm Schelsky
Aufsässig und unterwürfig

Wilhelm Schelsky, Ex-Chef der Gewerkschaft AUB, weist im Siemens-Skandal viele Vorwürfe zurück. Er räumt aber Steuerhinterziehung ein.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Anderthalb Jahre Gefängnis und der Verlust der Macht haben ihre Spuren hinterlassen. Nun gut, eine gesunde Gesichtsfarbe hatte Wilhelm Schelsky auch früher nicht.

Aber eine beeindruckende Präsenz. Wenn er in einen großen Raum gekommen sei, um etwas zu sagen, berichtet ein alter Mitstreiter, dann habe er es nicht nötig gehabt, mit der Gabel an ein Glas zu klopfen. „Da sind alle still geworden.“

Auch heute richten sich alle Augen auf ihn. Um kurz vor neun Uhr betritt er den Saal 619 des Landgerichts Nürnberg-Fürth, begleitet von einem Justizbeamten. Schelsky sieht mit seinen kurzen Stoppelhaaren ein wenig aus wie ein in die Jahre gekommener Preisboxer.

Nur ein paar Schritte sind es zu seinem Stuhl. Ebenfalls im Saal sitzt der andere Angeklagte, Ex-Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer. Gemeinsam sind die beiden Männer wegen der verdeckten Siemens-Zahlungen an Schelskys Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) der Untreue angeklagt. An den ersten beiden Prozesstagen schwieg Schelsky. Da saß er dann auf seinem Stuhl, die Hände oft vor dem Gesicht wie zum Gebet gefaltet. Am gestrigen Dienstag aber will er sein Schweigen brechen. Er wechselt dabei die Rollen zwischen dem Aufsässigen und dem Unterwürfigen, etwa wenn er die Staatsanwältin mit „gnädige Frau“ anspricht.

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