Willy Bogner macht nicht nur Mode
Alter Skihase zieht neue Spuren

Sportmodemacher Willy Bogner will mit neuer Technik Kunden in die Läden locken.

DÜSSELDORF. Sonntagmorgen in Halle 17 der Collections Premieren der Igedo in Düsseldorf. Hier wird Sportmode unter dem Titel „Fashion in Motion“ präsentiert. Wirklich gerecht wird dem Thema im Wortsinne nur der Bogner-Stand: Da rotiert das Thema auf fünf Großbildschirmen. Die schwingen hin und her und lassen das Firmenlogo mit dem B wie eine Kugel im Roulette von Screen zu Screen flitzen. Dem Publikum, teilweise noch verkatert von den Partys am Vorabend, schwindelt.

Willy Bogner genießt sichtlich die Premiere seiner „Bogner B Vision“: „Das Tolle ist, dass das nicht aus den USA, aus Japan oder Korea kommt, sondern aus München.“ Für Igedo-Boss Manfred Kronen ist das „auch was für Museen“.

Doch zuerst einmal rotieren die Bilder im Berliner Bogner-Laden. „Seitdem kommen doppelt so viele Leute rein“, stellt der Modemacher fest. Die kann er auch brauchen. Die Willy Bogner GmbH & Co KGaA hat im vergangenen Jahr nur 100 (2001: 110) Millionen Euro Markenumsatz einfahren können. Die Lizenzen liefen besser: mit 140 (2001: 133)Millionen Euro Umsatz. Jetzt muss der Skifahrer das selbst gesteckte Ziel von fünf Prozent bis zum Jahr 2004 erreichen.

Doch Willy Bogner macht nicht nur Mode. Er ist auch Filmregisseur und Designer – Spitzensportler sowieso. Schon als Teenie war er der Star der Olympischen Winterspiele in Squaw Valley/USA.

Und so wedelt der drahtige, braun gebrannte Typ heute auf mehreren Standbeinen in verschiedenen Disziplinen durch die Talsohle seiner von der Krise gebeutelten Branche. Dabei hinterlässt er offensichtlich mehr Spuren als die Zeit in seinem Gesicht. Ist der agile Kerl nun 48 oder 58? Weder noch. Der Bayer, jüngstes von drei Geschwistern, ist ein Kriegskind Jahrgang 1942.

Vater Willy Bogner sen. hatte zehn Jahre zuvor in einer Hütte in einem Münchener Hinterhof seinen Skivertrieb gestartet – dort, wo heute das renommierte Kaufhaus Beck am Rathauseck steht. Da waren die Bretter, die für Bogner die Welt bedeuten, noch eher saisonal notwendige Fortbewegungsmittel für einfache Bergbewohner. Doch schon bald fuhren auch Promis auf die Marke ab, die heute 70 Prozent aller Deutschen kennen. Da hieß die Lieferadresse zum Beispiel: „Alfried Krupp. Villa Hügel. Essen.“ Der teilte seine Vorliebe für die Marke mit Hollywood-Größen wie Ingrid Bergmann oder Marilyn Monroe. Die Frage nach einer Skihose lautete: „I want to buy a Bogner.“

1936 sprach Bogner sen. den Olympischen Eid bei den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen. Seitdem stattet das Unternehmen die deutschen Olympia-Mannschaften aus. Komplett.

In dieser Zeit fand eine Kundin namens Maria Lux bei Bogner sen. nicht nur neue Bretter, sondern auch den Mann fürs Leben. Maria machte Modegeschichte als „Königin der Keilhose“ und kreierte das B als Reißverschlussanhänger – bis heute ein Markenzeichen. Sie war es auch, die ihren Junior auf die schöne Brasilianerin Sonia Ribeiro aufmerksam machte. Sie trafen sich bei einem Fototermin, Willy als Fotograf, Sonia als Model. Seit 1972 sind sie verheiratet.

Augenscheinlich glücklich. Zwischen den Interviews in Düsseldorf küsst Bogner im Vorbeigehen seine attraktive Frau. Nicht flüchtig, eher so, als ob er dabei auch Energie auflade. Die braucht der Modemacher für seine verschiedenen Disziplinen, von denen ihn die visuelle Kommunikation besonders fasziniert.

Seinen ersten TV-Job bekam er bei Sportreporter Harry Valerien. Heute macht dem alten Skihasen das Tüfteln mit jungen Leuten der Münchener Gesellschaft für technische Güter (GTG) „so richtig Spaß“. Das Team ging mit 17 Computern in den Keller und rotierte so lange, bis es auch die Bildschirme konnten. Bogner: „Ein Problem war, dass während der Drehung das Bild scharf bleibt.“ Die Lösung: „ein relativ einfacher, hochkomplizierter Motor“. Jetzt läuft’s, rotieren die Bilder über die Geschichte des Unternehmens, das gerade 70 Jahre alt geworden ist. Und aktuelle Mode, bei der Bogner der Trend zum alltagstauglichen Sportdress entgegenkommt, was auch etwas mehr kosten darf, dazu Episoden aus James-Bond-Filmen, für die er die Kamera auf Skier stellte.

Kritiker werfen ihm vor, seine Filme wie „Feuer und Eis“ seien doch nichts anderes als mit Product-Placement (will sagen: Schleichwerbung) verlängerte Video-Clips. Das sei „alles Heuchelei“, regt sich der erfolgsverwöhnte Modemann auf. Die Entwicklung bestätige, dass Kunst und Kommerz nicht mehr ohne einander auskommen könnten. „Jeder will doch gern viel Geld verdienen“, lautet sein unschlagbares Argument.

Aber auch ausgeben? Für teure Markenmode? Oder ist Geiz doch geiler? Bogner: „Blödsinn. Geld ist geil.“ Aber eben nur geil. Für den Sportsmann muss es auch noch was anderes geben: Visionen eben.

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