Wirtschaftsflüchtling kauft Fabriken und verkauft sie nach China
Luan Wei: Der umtriebige Firmen-Recycler

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück spricht im Rückblick von einem Fehler: „Man wird dann doch schlauer.“ RAG-Chef Werner Müller spricht von einem „traurigen Witz, über den nur die Chinesen lachen“. Das Objekt ihres Frusts: die einstige Kokerei Kaiserstuhl der Deutschen Steinkohle AG (DSK).

HB BOCHUM. Ende 2002 hatte der aus China stammende Unternehmer Luan Wei die Anlage auf eigene Rechnung gekauft - „und innerhalb von drei Monaten verkauft“, sagt er stolz. Dem Migranten-Unternehmer gelang ein spektakulärer Coup, der seinen Namen weit über das Ruhrgebiet hinaus bekannt machte. 1989, als er mit 1 000 D-Mark in der Tasche von Shandong nach Deutschland aufbrach, hätte der Wirtschaftsflüchtling das nicht zu träumen gewagt: „Trotz sieben Jahre Germanistik- und Maschinenbaustudium sah ich in China keine Chancen.“ Die ersten drei Nächte in Deutschland schlief er im Bahnhof. Das Wirtschaftsstudium in Deutschland brach er rasch ab: „Ich brauchte Geld und wollte meine Frau und mein Kind nach Deutschland holen.“ 1991 gründete er die Famous Industrial Group in einem Keller und spezialisierte sich auf den Import von Präzisionsmesswerkzeugen.

Den Erfolg mit dem Kaiserstuhl-Koks-Deal begründet Luan wie viele chinesische Geschäftsleute: „Mein großes Netzwerk in China“ - auf gut Chinesisch: „Guanxi“. Das ist so etwas wie die chinesische Variante des „Amigo-Kapitalismus“ - Klüngel und Strippenzieherei auf höchstem Niveau. Mit seinem „Guanxi“-Netz, das er mit der Gründung des Chinesischen Industrie- und Handelsverbandes in Deutschland noch stärkte, schaffte Luan etwas, womit sich die DSK-Manager zwei Jahre vergeblich abgestrampelt hatten. Auch deutsche Banken spielen mit. Die Essener National-Bank begleitete den Deal als Projektfinanzierer. Auslandschef Klaus Helsper weiß warum: „Herr Luan ist ein dynamischer Unternehmer, jeder Geschäftschance nachgehend und absolut vertrauenswürdig.“

Das Geschäft mit der Kokerei hat Luans Appetit auf das Big Business geweckt. Er wedelt mit einer Liste von 21 industriellen Altanlagen, „alle für den Verkauf nach China“. Der umtriebige Firmen-Recycler, der mit der deutschen Staatsbürgerschaft den Vornamen Wei gegen Wolfgang getauscht hat, greift nach Größerem - auch als Investor. An einer 215 Meter langen Blattfedernfabrik für Lastkraftwagen, eine Anlage von Thyssen-Krupp, die er nach China verkaufte, will er sich beteiligen. Mit dem Fleischwaren-Unternehmer Reinhold Zimmermann, der mit 3 100 Beschäftigten 600 Millionen Euro Umsatz erzielt, will er in den Fleischmarkt seiner Heimat in China einsteigen.

Zum Ruhrpott-Gerücht, er habe die 1,2-Milliarden-Mark-Kokerei für läppische 30 Millionen Euro bekommen, beteuert Luan: „Ich habe nicht viel verdient.“ Dabei lächelt er so, dass es auch das Gegenteil bedeuten könnte.

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