Yahoo-Chefin Mayer erwartet Zwillinge
Der Tag der Edel-Mommys

Yahoo-Chefin Marissa Mayer bekommt Zwillinge und das Silicon Valley ist aus dem Häuschen. Doch beginnt mit der Schwangerschafts-Nachricht für Millionen Frauen in den USA oft der soziale Abstieg.
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San Francisco/New YorkWas haben Papua Neuguinea und die USA gemeinsam? Sie sind laut Vereinten Nationen die einzigen Staaten der Welt, die Müttern keinen einzigen Tag bezahlten Mutterschaftsurlaub garantieren. Nicht nur Comedy-Stars wie John Oliver ätzen gegen die mütterfeindliche US-Gesellschaft mit ihrer gleichzeitig unfassbar peinlichen kommerziellen Ausbeutung des „Muttertags“. Auch Präsident Barack Obama hat die Lage der Mütter in den USA mehr als einmal scharf kritisiert. Aber geändert hat er nichts.

In der größten Volkswirtschaft der Welt gibt es maximal zwölf Wochen unbezahlten Urlaub, aber auch nur, wenn es sich um Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern handelt und strikte Bedingungen erfüllt werden. Frauen in kleinen Unternehmen und Teilzeitkräfte gehen im reichsten Land der Erde leer aus. Einzige Ausnahmen: Kalifornien, Rhode Island und New Jersey.

In der Wirtschaft selbst gehen nur wenige Unternehmen mit gutem Beispiel voran. So wie die Investmentgesellschaft KKR, die ihren jungen Müttern ein Kindermädchen mit auf die Geschäftsreise schickt und bezahlt. Video-Online-Pionier Netflix gewährt bis zu einem Jahr bezahlten Urlaub und das soziale Netzwerk Facebook gibt wenigsten 4000 Dollar „Baby-Prämie“. Auch bei Yahoo gibt es bis zu 16 Wochen Mutterurlaub und Geld für Kinderkleidung und Ähnliches. Grundsätzlich gilt: Je höher die Position und je mehr in die Frau „investiert“ wurde, desto größer die Chance, dass es Hilfe gibt. Eine reine Kosten-Nutzenrechnung.

Ansonsten ist die Ankunft eines oder gar zwei neuer US-Bürger eine massive Bürde für jede Familie. Die zusätzlichen Kosten, das fängt bei der Vorsorge und Entbindung an. Im Landesdurchschnitt sind das bei einer Krankenhausgeburt ohne jede Komplikation zwischen 9000 und 11.000 Dollar. Ein Kaiserschnitt mit Komplikationen erreicht laut U.S. Agency for Healthcare Research and Quality schnell eine Rechnung von 23.000 Dollar oder mehr. Viele Versicherungen übernehmen davon nichts oder wenig. Eine Schwangerschaft ist ja keine „Krankheit“.

Solche Ausgaben stürzen selbst Mittelstandsfamilien schnell ins finanzielle Chaos. Vor allem, wenn ein Einkommen wegfällt, die Hypotheken drücken oder unerwartete Komplikationen entstehen. „Wir haben die familienfeindlichsten Gesetze der entwickelten Welt“, kritisiert Jura-Professorin Joan Williams von der University of California, die bereits seit 25 Jahren die Debatte über Mütter am Arbeitsplatz mit vorantreibt. „In den USA ist die vorherrschende Meinung, dass Kinderkriegen ein rein privates Vergnügen ist.“

Für die Nobel-Mütter wie Yahoo-Chefin Marissa Mayer oder Sheryl Sandberg von Facebook ist das allerdings kein Problem. Für sie bleiben die Probleme beschränkt auf die tatsächlichen physischen und psychischen Risiken einer Geburt, die alle Frauen dieser Welt gleichermaßen teilen.

Wenn man davon absieht, dass die einen die besten Krankenhäuser des Landes besuchen und andere nur die Notfallaufnahme, wenn es gar nicht mehr anders geht. Die Krankenhäuser müssen Notfälle annehmen, auch wenn die Betroffenen nicht bezahlen können.

Marissa Mayer kann dagegen nicht nur auf ein beruhigendes, privates Milliardenvermögen zurückgreifen. Noch dazu macht sie sich ihre Regeln selbst: Während sie ihren Mitarbeitern - egal ob Mann oder Frau; gar werdenden Mütter - vor drei Jahren die Arbeit im Homeoffice untersagte, ließ sie sich ein eigenes Kinderzimmer neben ihr Chefinnen-Büro bauen. Damit hatte sie ihr Kind und Kindermädchen immer fest im Blick. Ein Vorgehen, das ihr, nicht unerwartet, viel Kritik eingebracht hat.

Kommentare zu " Yahoo-Chefin Mayer erwartet Zwillinge: Der Tag der Edel-Mommys"

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  • Kann mich den Kommentatoren nur anschließen. Wenn Frau Mayer wegen Ihrer Performance nach der Babypause Probleme hätte wieder zurückzukommen, darüber könnte man diskutieren. Aber hier die Angst zu verbreiten das eine Schwangerschaft einen sozialen Abstieg begünstigt ist doch auf mehreren Ebenen sehr weit hergeholt.

    1er von 5 Sternen.

  • Wie kann es auch sein, dass man den Gewinn des Unternehmens durch eine Schwangerschaft schmälert? Die Rendite ist mies, rechnet sich nie!
    Ohne Kinder würden Frauen dem Unternehmen länger zur Verfügung stehen!

    Wird Zeit das TTIP kommt, und diese Verhältnisse auch in Europa gelten.

  • Wenn ich das schön höre/lese ! "der mögliche soziale Abstieg der Yahoo Chefin"
    zig Millionen am Konto und dann vom sozialen Abstieg schreiben - mit so viel Geld steigt man nie ab ! da kann man nur sagen : "völlig die Bodenhaftung verloren" liebes Handelsblatt

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