Zahlungskräftige deutsche Klientel im Visier
Der türkische Armani

Jeff Hakko wagt sich mit seiner Edel-Textilkette „Vakko“ aus Istanbul auf den deutschen Markt.

HAMBURG. Das Timing hätte nicht besser sein können: Als der türkische Ministerpräsident vor kurzem nach Berlin kam, um für sein Land und den EU-Beitritt zu werben, hatte Jeff Hakko just seinen ersten Laden in Deutschland eröffnet. Der türkische Textilunternehmer mit dem grauen, raspelkurzen Haar reiste persönlich nach Hamburg, um die erste Vakko-Boutique in Westeuropa zu eröffnen. Quasi um zu demonstrieren, dass türkische Unternehmer bereit sind für den deutschen Markt.

Stolz steht er am Eröffnungstag in seinem neuen Laden in den „Großen Bleichen“, einer der besten Hamburger Einkaufsadressen, zwischen teuren Oberhemden und Krawatten und preist den ersten Kunden handgefertigte Seidenschals an. So wie Jeff Hakko aussieht, wünscht er sich seine Kunden: gepflegte Erscheinung, stilvoll gekleidet, mit dem nötigen Geld für feines Tuch.

Immer wieder streift sein Blick in der dunkel getäfelten Boutique umher und überprüft die Ware. „Was wir machen, machen wir mit Perfektionismus“, sagt er trocken, schickt aber ein charmantes Lächeln hinterher. Als Mitinhaber und Vorstandsmitglied des türkischen Familienunternehmens Vakko hat er selbst in der Hansestadt alle Einkaufsgegenden unter die Lupe genommen und später den Laden begutachtet, die Geschäftsführerin eingestellt. Sogar das Interieur hat er von seinem Hausarchitekten entwerfen, probehalber in der Türkei aufbauen und nach Hamburg verschiffen lassen.

Hakko ist im Unternehmen für Export und neue Märkte zuständig. Sein Vetter Chem Hakko ist Vorstandschef, weitere Vorstände sind ihre beiden Väter, die Gründer.

In der Türkei hat die Familie es geschafft, Vakko unter den teuersten Luxusmarken zu platzieren. Hier zu Lande setzt der türkische Armani bewusst auf die zahlungskräftige deutsche Klientel. Jeff Hakko ist selbst das beste Aushängeschild für seine Marke. Er trägt Vakko von Kopf bis Fuß. In seinem dunkelblauen Jackett, einer schlichten beigefarbenen Baumwollhose und gestreifter Krawatte wirkt der Türke, der mit einer Engländerin verheiratet ist, wie ein englischer Gentlemen. „Ich bin ein klassischer, konservativer Typ“, sagt er, den Geschäftspartnerinnen einen „gut aussehenden Mann“ nennen.

Hakko hat in Deutschland nicht nur Vorschusslorbeeren bekommen: Die Eröffnung war bereits für den Mai geplant und ist immer wieder verschoben worden. In der Branche munkelte man schon, die lang anhaltende Wirtschaftsflaute habe die Türken verunsichert. „Der Versuch, sich in diesen Zeiten als türkische Luxusmarke zu etablieren, ist ein mutiger Schritt“, meint Emre Kiraz, Geschäftsführer von Ekcom, einer Unternehmensberatung, die türkische Firmen berät. Kiraz fürchtet, dass es Hakko schwer haben wird, die Marke bekannt zu machen und sich vom Image türkischer Billigschneider abzugrenzen.

Doch davon will der Betriebswirt nichts wissen: Zu seinem Perfektionsdrang gehört eine große Portion Durchhaltevermögen und Durchsetzungskraft. Was er sich in den Kopf gesetzt hat, zieht er durch – auch privat. Als er seine heutige Frau vor mehr als zwanzig Jahren kennen lernte, überredete er sie zum Tauchen. „Wenn wir zusammenbleiben wollen, musst du es lernen“, sagte er zu ihr. Seitdem verbringen sie jeden Urlaub unter Wasser. Auch seine 16-jährige Tochter und sein 20-jähriger Filius ziehen da mit.

„Tauchen ist meine Leidenschaft“, wiederholt der inzwischen 48-Jährige. Er sagt das in einem Tonfall, als spreche er über eine lästige Aufgabe. Nur das Lächeln am Ende des Satzes lässt wie so häufig erkennen, dass er über etwas Angenehmes spricht.

Der willensstarke Manager scheint auch über eine ausreichende finanzielle Basis für seine Expansionspläne zu verfügen. Voriges Jahr hat Vakko, das an der Börse Istanbul notiert ist, einen Gewinn von 7,4 Millionen Dollar erzielt, bei einem Umsatz von 45,5 Millionen Dollar. Bis Ende 2005 will Hakko immerhin vier bis fünf Millionen Dollar außerhalb der Türkei umsetzen.

Die nächsten Geschäfte sind bereits geplant. Im Herbst will er eine Boutique in der noblen Frankfurter Goethestraße eröffnen. Berlin, Düsseldorf, Köln und München sollen mit 1a-Lagen folgen. Geschäftslokale in preiswerten Stadtgebieten kommen für den Türken, der seit seinem Studium in der Textilbranche arbeitet, nicht in Frage. „Wir können es uns nicht leisten, dort zu sein, wo wir nicht sein wollen“, kommentiert er seine Entscheidung. Deshalb sucht er akribisch weiter nach Standorten und nimmt weitere Verzögerungen in Kauf. „Wir gehen lieber auf Nummer sicher.“ Parallel versucht er, seine Marke in deutschen Kaufhäusern zu platzieren. Als nächstes peilt er den Mittleren Osten, Russland und Spanien an.

Branchenbeobachter kritisieren, dass weder Jeff Hakko noch andere Mitglieder des Managements Deutsch sprechen. „Er sollte sich davor hüten, das türkische Geschäft einfach auf Deutschland zu übertragen“, sagt einer, der nicht zitiert werden will. „Er muss den Markt stärker analysieren und sich nicht nur von Erfahrungen leiten lassen.“

Derartige Kritik hört Hakko nicht gerne. Er stützt dann den Kopf in seine linke Hand und erklärt siegessicher: „Wir vertrauen niemandem, außer uns selbst.“ Und fügt gleich nicht minder selbstbewusst hinzu: „Unsere Qualität ist hervorragend, und unsere Auswahl ist größer als bei jedem Konkurrenten.“

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