Zusammenarbeit mit Anwaltverein
Rechtsschutzversicherer Advocard unter Beschuss

Ein Vorstoß des Rechtsschutzversicherer Advocard sorgt für helle Aufregung bei den Konkurrenten: Künftig sollen Anwälte die Advocard empfehlen, dafür erhalten die Mandanten einen Teil der Beratungsgebühr zurück. "Rechtswidrig" lautet das einhellige Echo.

lie KÖLN. Die Rechtsschutzversicherer laufen Sturm gegen die Kooperation zwischen ihrem Konkurrenten Advocard und der Standesorganisation der Anwälte, dem Deutschen Anwaltverein (DAV). Der Vorstand von Roland Rechtsschutz, Roland Schlitt, nannte diese Vereinbarung "rechtswidrig". Deshalb müsse die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingreifen, forderte er. Die BaFin werde der Sache nachgehen, sagte ein Sprecher.

Die neue Partnerschaft zwischen dem DAV und dem zur AMB Generali-Gruppe gehörenden Versicherer sieht vor, dass die Anwälte ihren Mandanten zur Versicherung künftiger Streitfälle die Advocard empfehlen können. Schließt der Mandant dann eine Advocard-Police ab, erhält er 50 Euro seiner Beratungsgebühr erstattet.

Das verstoße gegen das Verbot von Sondervergütungen in der Schadenversicherung, meint Schlitt. Auch widerspreche die Vereinbarung der im Standesrecht geforderten "anwaltlichen Zurückhaltung". Danach dürfen Rechtsanwälte keine Versicherungen vermitteln. "Der Anwalt wird nicht als Makler tätig, sondern unterstützt nur den künftigen Versicherungsnehmer", entgegnete der Pressesprecher der DAV auf die Vorwürfe. Advocard nahm zu den Vorwürfen keine Stellung.

Auch die D.A.S., der Rechtsschutzversicherer der Ergo-Gruppe, prüft die Kooperation nach eigenen Angaben "sehr intensiv auf wettbewerbsrechtliche Verstöße". Die Arag hält die Kooperation schlicht für einen "missglückten PR-Gag". Eine Exklusivpartnerschaft könne gar nicht gelingen, weil die DAV-Anwälte in vielen verschiedenen Netzen der Rechtsschutzversicherer arbeiteten. Außerdem sei eine Mandantensteuerung durch den Verband gar nicht erlaubt.

Für den DAV war bei der Partnerwahl ausschlaggebend, dass die Advocard entgegen dem Markttrend an der persönlichen Rechtsberatung in der Kanzlei festhält, hieß es. Seit einigen Jahren bauen die großen Rechtsschutzversicherer Netzwerke mit Anwaltkanzleien auf, um Kosten zu sparen. Allerdings bietet auch die Advocard eine telefonische Rechtsberatung über Partneranwälte.

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