100 000 Insolvenz im Gesamtjahr erwartet
Pleitewelle vernichtet 2003 über 500 000 Jobs

In der deutschen Wirtschaft brechen 2003 allein durch eine neue Rekord-Pleitewelle etwa 650 000 Arbeitsplätze weg. Damit werden in diesem Jahr 7 % mehr Arbeitnehmer ihren Job durch Insolvenz verlieren als 2002, teilte der Informationsdienst Creditreform am Donnerstag in Düsseldorf mit.

HB/dpa DÜSSELDORF. In den ersten sechs Monaten sind den Angaben zufolge bereits rund 330 000 Arbeitsplätze von der Pleitewelle erfasst worden. Das sind gut 200 000 Jobs mehr, als durch Firmengründungen gleichzeitig bundesweit neu entstanden.

Während 2002 das Jahr der Mega-Pleiten mit zahlreichen Insolvenzen von Konzernen war, brächen 2003 vor allem kleine und mittelständische Betriebe zusammen. „Der Mittelstand stirbt still und leise. Aber er trägt die Hauptlast der Insolvenzen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Creditreform-Verbandes, Helmut Rödl. Von Januar bis Juni meldeten den Angaben zufolge bundesweit rund 19 200 Unternehmen Insolvenz an - 4,6 % mehr als im ersten Halbjahr 2002. Im Gesamtjahr erwarten die Wirtschaftsforscher bundesweit mehr als 40 000 Firmenpleiten.

„Die schwierigste Situation hat der Handel“, erläuterte Rödl. Zu den schätzungsweise 10 000 Handelspleiten kämen außerdem auch noch zahlreiche stille Abgänge hinzu. Schilder wie „Räumungsverkauf“ und „Geschäftsaufgabe“ seien immer öfter zu sehen. In der Baubranche sei die Insolvenzgefahr mit mehr als 100 Pleiten je 10 000 Betriebe am höchsten. Ein Grund für die Insolvenzen seien Finanzierungsprobleme der Firmen. Gleichzeitig würden Banken wegen Forderungsausfällen bei der Kreditvergabe zurückhaltender sein. Das sei ein Teufelskreis.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wagten auch weniger Deutsche den Schritt in die Selbstständigkeit. Im ersten Halbjahr 2003 wurden mit 370 000 Gewerbeanmeldungen 3,7 % weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichnet. Die meisten Neugründungen gebe es bei Dienstleistungen. Dagegen erhöhten sich die Gewerbeabmeldungen um 0,3 % auf 330 000. Unter dem Strich bleibe bundesweit zwar ein Zuwachs von 40 000 Firmen. In den neuen Ländern sei der Saldo aber von 13 000 auf 2000 Firmen und damit „quasi auf Null“ geschrumpft.

Einschließlich der Anträge von Privatpersonen werden in diesem Jahr bis zu 100 000 Insolvenzen befürchtet. Die Überschuldung nehme zu. Allein im ersten Halbjahr 2003 wurden von Privatpersonen 25 500 Anträge auf die Eröffnung eines Verfahrens gestellt. Das ist gut ein Viertel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Hauptursachen für die Verschuldung von Privatpersonen seien Arbeitslosigkeit, Scheidung und Probleme in der Haushaltsführung. Aber auch Krankheit und Mieterhöhung könnten in die Überschuldung führen, hieß es.

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