Altersvorsorge
Betriebsrenten der Mittelständler unter Druck

Der betrieblichen Altersvorsorge vieler Mittelständler droht Ungemach durch ein neues Gesetz zur Bilanzierung von Pensionslasten. Dabei geht es um Milliarden-Beträge. Was Berater empfehlen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

FRANKFURT. In harten Zeiten kommt es oft doppelt so dick: Viele Unternehmen in Deutschland müssen sich nicht nur wegen der Finanzkrise intensiver mit ihrer betriebliche Altersvorsorge beschäftigen. Ab 2010 drohen vielen mittelständischen Firmen zudem Belastungen durch neue Bilanzierungsregeln nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), das für alle nach HGB bilanzierenden Firmen gilt. Das neue Gesetz verlangt, dass viele Firmen ihre Pensionsverpflichtungen realistischer und damit in vielen Fällen höher bewerten als jetzt.

Dabei geht es um Milliarden-Beträge. Die 30 Dax-Firmen haben laut der Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin (RTP) Pensionsverpflichtungen von rund 190 Mrd. Euro, das macht gut die Hälfte ihres Eigenkapitals aus. "Pensionsverpflichtungen sind das größte finanzielle Risiko außerhalb des Kerngeschäfts einer Firma", sagt Thomas Wiesemann, Chef der Allianz-Vermögensverwaltungstochter AGI. Das BilMoG wird laut Experten zu einem Anstieg der Pensionsverpflichtungen vor allem bei mittelständischen Firmen sorgen. "Die Pensionsverpflichtungen können in Folge einer erstmaligen Anwendung von BilMoG um die Hälfte steigen", schätzt man bei AGI.

Die Gründe: Unter dem BilMOG müssen die Firmen erstens ihre Pensionslasten mit einem kapitalmarktbezogenen, im Vergleich zu heute eher niedrigeren Rechnungszins abdiskontieren, womit der für die Bilanzierung maßgebliche Barwert steigt. Zweitens müssen Pensionsrückstellungen für Betriebsrenten dynamisch statt aktuell statisch erfasst werden. Aus der Firma ausgelagertes Pensionsvermögen darf aber künftig mit den Rückstellungen saldiert werden.

Höhere Rückstellungen müssen Firmen - zeitlich gestreckt über bis zu 15 Jahre - als Aufwand verbuchen. Zudem dürften die Rückstellungen tendenziell bilanzverlängernd wirken, da viele Mittelständler kein Pensionsvermögen zum Saldieren haben. Das wiederum könnte Verhandlungen mit Kreditgebern belasten, meinen Experten.

In jedem Fall steigt der Aufwand für das Management der Pensionslasten, weshalb Berater eine individuelle Analyse des Risikos von Pensionslasten empfehlen. "Grundsätzlich besteht für die Firmen mit dem BilMoG ein größerer Anreiz, externes Vermögen auszulagern", sagt Thomas Jasper, Partner bei RTP. Diese Entscheidung habe allerdings eine größere Tragweite und sei daher firmenstrategisch abzuwägen, sagt er. Denn mit der Auslagerung wird das Pensionskapital der Firma unwiederbringlich entzogen und kann nicht mehr für das operative Geschäft eingesetzt werden. Gerade in Krisenzeiten könnte das Kapital aber gebraucht werden.

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