Aufbruchsignale in der Wirtschaft
Auch Industrie sieht Silberstreif

In der deutschen Industrie macht sich Aufbruchstimmung breit. Vor allem der industrielle Mittelstand erwartet 2003 eine besonders kräftige Zunahme der Umsätze. Das ergab eine Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

HB BERLIN. Insgesamt rechne die deutsche Industrie für das laufende Jahr mit einem Umsatzzuwachs von nominal 1,9 (Vorjahr 0,75) Prozent, wobei der industrielle Mittelstand sogar ein Plus von 3,5 (minus 0,1) Prozent erwarte, hieß es in einer am Montag in Berlin veröffentlichten Mittelstandsstudie. Allerdings habe der Mittelstand seine bisherige Pufferfunktion bei Konjunkturschwankungen offenbar verloren, ergänzte der Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), Gunter Kayser. Trotz des Umsatzwachstums seien in der Industrie zudem im vergangenen Jahr 2 % der Stellen abgebaut worden, im laufenden Jahr dürften erneut 1,5 % der Stellen verloren gehen. Ausgaben für Forschung und Entwicklung, wie für Investitionen, hätten die Industriefirmen zuletzt reduziert. Hauptproblem gerade für den Mittelstand sei aber die überbordende Bürokratie.

Wichtige Erkenntnisse aus der repräsentativen Umfrage unter mehr als 1000 Firmen sei, dass der industrielle Mittelstand nicht eine stabilisierende Rolle bei Konjunkturschwankungen spiele. Auch sei der Beschäftigungsmotor Industrie zuletzt ins Stottern gekommen sei, sagte Kayser. Andererseits habe die Dramatik des Mangelfaktors Fachkräfte stark abgenommen. Hätten 2001 noch 51 % der Industrieunternehmen Probleme bei der Besetzung von Stellen genannt, seien es 2003 nur noch 34 % gewesen.

Rund 15 % ihrer Arbeitszeit muss die Führung von Industrieunternehmen der Studie zufolge für die Bewältigung bürokratischer Aufgaben aufwenden. Zugleich weist die Studie auf, dass deutsche Industrieunternehmen immer noch zu wenig in innovativen, zukunftsträchtigen Produktmärkten präsent sind. Selbst relativ junge Unternehmen bewegten sich überwiegend in gesättigten und damit weniger zukunftsträchtigen Märkten. Als größtes Hemmnis im Innovationsprozess bezeichneten die befragten Firmen die Bürokratie. Erst deutlich dahinter rangieren die Bereiche Finanzierung und Personal.

„Es mehren sich die Meldungen für mehr Zuversicht“, sagte Klaus Bräunig, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. Er sehe aber mit großer Sorge, dass der Mittelstand seine Funktion als Konjunkturpuffer verloren habe und damit vermutlich auch nicht mehr Träger des Aufschwungs sein könne. Ein weiteres Warnsignal sei, dass gerade der Mittelstand in der Industrie die Ausgaben für Forschung und Entwicklung reduziert habe.

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