Ausbildereignungsverordnung
Forderung nach Rückkehr zur Zwangsprüfung

Die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) wurde 2003 außer Kraft gesetzt. Die Arbeitgeber schätzen die Freiheit, die sie seitdem genießen. Doch Handwerk und Gewerkschaften fordern einer Rückkehr zur Zwangsprüfung. Nun liegt es an Bildungsministerin Annette Schaven, über eine Reaktivierung der AEVO zu entscheiden.

BERLIN. Muss man die Ausbilder deutscher Lehrlinge wieder zu einer pädagogischen und juristischen Zusatzausbildung zwingen – oder reicht das Vertrauen ins Eigeninteresse der Betriebe an einer soliden Ausbildung? Diese Frage muss Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) demnächst beantworten. Ihre SPD-Vorgängerin Edelgard Bulmahn hatte 2003, auf dem Höhepunkt der Lehrstellenkrise, die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) für fünf Jahre außer Kraft gesetzt. Die Hoffnung war, dass mehr Unternehmen mehr ausbilden, wenn dafür kein Kurs samt Prüfung nötig sind – zumindest für Ausbilder, die keinen Meister haben.

Bei der Wahl, die Verordnung nun ganz zu beerdigen oder zu reaktivieren, steht Schavan einer uneinigen Wirtschaft gegenüber: Handwerk und Gewerkschaften wollen die alte strenge Verordnung wiederbeleben. Auch der DIHK will zur alten AEVO zurück – diese aber vorher entrümpeln. Die Arbeitgeber dagegen schätzen die neue Freiheit und bauen auf Freiwilligkeit.

Uneins ist man sich auch darüber, was der Verzicht auf die Zusatzausbildung – die bis zu 120 Stunden dauert und bis zu 1 000 Euro kosten kann – tatsächlich gebracht hat am Lehrstellenmarkt. Die Erwartung war hoch: Bis zu 100 000 zusätzliche Ausbildungsplätze könne der Verzicht auf die Zwangsschulung der in der Fünf-Jahresfrist schaffen, hoffte Bulmahn.

Es sind nicht einmal halb so viel - zeigt nun eine noch unveröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), deren erste Ergebnisse dem Handelsblatt vorliegen. Nach einer Umfrage unter 2 600 Betrieben sind durch den Wegfall der Prüfung jährlich nur 7 000 bis 10 000 zusätzliche Lehrstellen entstanden. Das könnte jedoch auch daran liegen, dass drei Viertel der Betriebe gar nicht wissen, dass die Prüfung nicht mehr vorgeschrieben war. Das erklärt auch, dass nach wie vor jährlich 33 000 Ausbilder die Prüfung freiwillig ablegen – gegenüber 44 000 zuvor.

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