Auslandsinvestitionen
Vietnam wird zur Goldmine für den Handel

Die deutschen Einzelhändler drängen ins Ausland: Im Heimatmarkt landet immer weniger in den Kassen. In den boomenden Topregionen wie Vietnam sucht man die deutschen Händler allerdings meist vergeblich.

MOSKAU. Gemeinsam mit dem deutschen Botschafter Walter-Jürgen Schmid lächelt Otto-Vorstandschef Hans-Otto Schrader in die Kameras. Dann greift er zur Schere und zerschneidet das rote Taftband, das symbolisch den Eingang zur neuen Versandzentrale vor den Toren Moskaus versperrt.

Eine halbe Milliarde Euro Jahresumsatz will der Hamburger Versandhauskönig dort spätestens in vier Jahren schaffen, schwarze Zahlen schon zwei Jahre früher. „Wir haben in Russland ein riesiges Potenzial“, verkündet Schrader, bevor er den angereisten russischen Journalisten mit Hilfe von Laufsteg-Schönheiten präsentiert, was seine Kataloge Modisches zu bieten wissen.

Zeremonien wie diese am vergangenen Mittwoch gab es in den letzten drei Jahren reichlich zwischen Moskau und Sankt Petersburg. Metro, Real, Media-Markt, Rewe, Obi und selbst der mittelständische SB-Warenhausbetreiber Globus expandieren dort inzwischen um die Wette. Otto-Wettbewerber Quelle hat sich sogar vorgenommen, künftig die Milliardengrenze beim Umsatz zu knacken. „Russland ist für die deutschen Einzelhandelskonzerne eindeutig der wichtigste Investitionsmarkt“, bestätigt Mirko Warschun, Vice President von A. T. Kearney, „gefolgt von der Ukraine.“

Eine dem Handelsblatt exklusiv vorliegende Studie seiner internationalen Beratungsfirma aber zeigt: Während sich die Deutschen auf Osteuropa konzentrieren, verpassen sie derzeit anderswo auf der Welt noch lukrativere Expansionschancen.

So hat sich überraschend das immer noch kommunistisch regierte Vietnam, mit 80 Mill. Einwohnern fast so groß wie die Bundesrepublik, an die Spitze der boomenden Einzelhandelsmärkte gesetzt – noch vor Indien, Russland und China. Während die Franzosen mit ihren Casino-Märkten längst im Land sind und auch der japanische Handelskonzern 7-Eleven dort den Einstieg plant, ist von deutscher Seite allein die Metro mit ihren Cash & Carry-Märkten bislang angetreten. „Die vietnamesischen Verbraucher erleben derzeit einen rasanten Anstieg ihres Pro-Kopf-Einkommens“, begründet A. T. Kearney-Marktforscher Mike Moriarty den Spitzenplatz. Seit 2000 sei die Kaufkraft um 75 Prozent gestiegen. Zudem beseitige die Regierung nach dem WTO-Beitritt Marktregulierungen. Das öffne den Markt für Neueinsteiger.

Seit 2001 bewertet die Beratungsfirma jährlich die Attraktivität von 30 Schwellenländern. Faktoren wie wirtschaftliches und politisches Risiko, Marktsättigung und Wirtschaftswachstum gewichtet A. T. Kearney und addiert sie anschließend zu einem Gesamturteil. In den vergangenen Jahren regierte Indien die Tabelle.

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