Bilanzierung
Kommentar: Unzumutbar

Eine Reihe von Wissenschaftlern will die Notbremse ziehen: Der Zug der internationalen Rechnungslegung ist in Deutschland eingefahren, soll aber gestoppt werden, bevor er den Mittelstand überrollt. Ab dem kommenden Jahr ist die Bilanzierung nach den internationalen Regeln von IAS/IFRS (International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards) für fast alle kapitalmarktorientierten Konzerne verpflichtend.

HB DÜSSELDORF. Die vorherrschende Meinung bei den Fachleuten für Rechnungslegung ist allerdings, dass auch Mittelständler, die Kredite benötigen, Investoren oder Käufer suchen oder einfach nur Zulieferer von internationalen Unternehmen sind, in den Sog der IAS/IFRS geraten werden. Zumindest die Großbanken und Ratingagenturen werden mittelfristig darauf pochen, dass sie aus Gründen der Vergleichbarkeit nur noch mit einer Sorte von Zahlen beliefert werden – und diese sind dann nach internationalen Grundsätzen und nicht nach denen des Handelsgesetzbuchs (HGB) zu ermitteln.

Was ist schlimm daran? „Wir sind geblendet worden, als gesagt wurde, mit der internationalen Rechnungslegung wird alles besser“, entfuhr es kürzlich Karlheinz Küting. Der Spezialist für Bilanzanalyse an der Universität Saarbrücken hat jetzt gemeinsam mit Fachkollegen eine Reihe von Thesen zur Diskussion gestellt, um den Mittelstand vor der Umstellung zu bewahren.

Doch zunächst übt Küting Fundamentalkritik an den IAS/IFRS. Diese waren insbesondere zur Zeit des Börsenbooms zusammen mit den US-Gaap (General Accepted Accounting Principles) als wahre Vorbilder für transparente Rechnungslegung und Marktinformation gepriesen worden. Die Bilanzierung nach HGB wurde mit Spott übergossen, weil sie den Unternehmen zu viele Spielräume für ihre Bilanzpolitik gewährt und den Aufbau von stillen Reserven begünstigt, in denen Gewinne versteckt werden können.

Dies erfreut die Gläubiger, denn häufig verfügen die Unternehmen auf diese Weise über mehr Substanz, als die Bilanz aussagt. Auf der anderen Seite wissen Investoren wie Kleinaktionäre häufig nicht, wie viel das Unternehmen, auf das sie sich einlassen, wirklich wert ist. Und das Management hat die Möglichkeit, Fehlleistungen zu kaschieren, indem es die Bilanz durch die Hebung von stillen Reserven schönt.

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