Bilanzierungsregeln
Familienfirmen lehnen neue Regeln ab

Die deutschen Familienunternehmen stehen einer Bilanzierung nach den internationalen Regeln IFRS weiterhin skeptisch gegenüber. Daran haben auch die jüngsten Erleichterungen und Verbesserungen bei den IFRS wenig geändert. Eine aktuelle Befragung zeigt: Mittelständler fürchten die Komplexität des Regelwerkes - und die immensen Kosten einer Umstellung.

DÜSSELDORF. Das zeigt eine Untersuchung der Stiftung Familienunternehmen und der Vereinigung zur Mitwirkung an der Entwicklung des Bilanzrechts für Familienunternehmen (VMEBF), die dem Handelsblatt vorliegt.

Sie fragten rund 90 deutsche Familienunternehmen - überwiegend mit einem Umsatz von mehr als 100 Mill. Euro - nach ihrer Meinung zu der Entwicklung der International Financial Reporting Standards (IFRS): Nur rund sieben Prozent schätzen die Entwicklung als positiv ein, und nur sechs Prozent haben vor, künftig nach den IFRS zu bilanzieren. "Die Skepsis überwiegt - rund 93 Prozent der Familienunternehmen haben mit den IFRS wenig im Sinn", sagt Frank Reuter, Vorsitzender des VMEBF und Leiter des Konzernrechnungswesens beim Familienunternehmen Freudenberg.

Die IFRS sind als Bilanzierungsrichtlinien in Deutschland für alle börsennotierten Unternehmen verpflichtend und dort Standard. Familienunternehmen müssen zwar nicht auf das Regelwerk umstellen. Doch bieten einheitliche internationale Regeln auch ihnen Vorteile: Etwa, wenn sie global tätig sind und ihre Bilanzierung unternehmensweit harmonisieren wollen. Oder wenn sie sich besser mit Konkurrenten vergleichen wollen. Zudem ist eine Bilanzierung nach IFRS oft Voraussetzung, um neue, internationale Kapitalquellen anzuzapfen sowie Geschäftspartnern bessere Informationen bieten zu können. Mehrere größere deutsche Familienunternehmen wenden die IFRS aus diesen Gründen bereits an, beispielsweise das Pharmaunternehmen Merz aus Frankfurt. Auch die Freudenberg-Gruppe, die auf einen Jahresumsatz von fünf Mrd. Euro kommt, bilanziert nach IFRS.

Zwar hält der deutsche Mittelstand eine internationale Angleichung der Rechnungslegung prinzipiell für sinnvoll, wie zuletzt eine Befragung von 260 deutschen Firmen durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars Hemmelrath zeigte. Doch beim Thema IFRS winken die meisten mittelgroßen Firmen ab. Der Umfrage der Stiftung Familienunternehmen zufolge lehnen gut 53 Prozent eine Umstellung ab und planen weiter mit den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB). 41 Prozent der Befragten sind sich unsicher, ob sie in Zukunft umstellen werden.

Seite 1:

Familienfirmen lehnen neue Regeln ab

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%