Biometrie-Systeme
Wenn Kunden mit dem Finger zahlen

Ein Fingerdruck genügt, dann ist der alltägliche Einkauf bezahlt. Mit biometrischen System können Kunden, sofern sie registriert sind, ohne Bargeld und EC-Karte bezahlen. Das Geld wird automatisch vom Konto abgebucht. Noch hat sich die Technik nicht zum Massenmarkt entwickelt, doch ihr Einsatz bei der Strafverfolgung nimmt zu.

HAMBURG. Wer als Kunde des Edeka-Markts im südpfälzischen Rülzheim sein Geld und seine EC-Karte vergessen hat, muss nicht mit leerem Einkaufskorb nach Hause gehen. Er kann an einer der sieben Kassen des Supermarkts einfach per Fingerabdruck bezahlen. Dazu legt er seinen Zeigefinger auf den Fingerscanner Digi-Proof, der die charakteristischen Punkte mit einer Datenbank vergleicht. So erkennt das biometrische System die Kunden, die sich angemeldet haben. Der fällige Betrag wird dann vom Konto abgebucht. „An der Information werden die persönlichen Daten des Kunden und seine Bankverbindung aufgenommen“, erklärt Ulrich Kipper, Geschäftsführer des mittelständischen Sicherheitstechnik-Anbieters IT-Werke im badischen Lahr, der den Fingerabdruck-Scanner im Programm hat.

Biometrische Systeme, die Menschen anhand von Körpermerkmalen erkennen, führen in der Sicherheitstechnik immer noch ein Nischendasein. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten Unternehmen in Deutschland damit gerade einmal 20 Mill. Euro Umsatz, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting. „Wichtige Umsatztreiber sind neben dem Handel das Transportwesen und die Hochsicherheitsbereiche von Firmen“, sagt Bernd Seibt, Vorsitzender des Fachverbands Sicherheitssysteme im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Er erwartet, dass sich biometrische Systeme schon bald in vielen Bereichen durchsetzen werden.

Die Akzeptanz der Nutzer jedenfalls steigt, belegen die Erfahrungen des Edeka-Markts in Rülzheim. „Die Testphase ist sehr positiv verlaufen. Immer mehr Kunden nutzen das neue System“, berichtet Anbieter Kipper. 46 Edeka-Märkte in der Region haben den Fingerscanner mittlerweile an ihren Kassen im Einsatz. Bis Oktober sollen noch fünf weitere Geschäfte hinzukommen. Auch Einzelhändler anderer Branchen und ein Biergarten nutzen das Digi-Proof-System zum bargeldlosen und kartenfreien Zahlen bereits.

Hauptabnehmer für biometrische Lösungen sind nicht Unternehmen, sondern der Bund und die Länder. Nach Belgien, Schweden und Norwegen führte Deutschland als viertes europäisches Land im vergangenen Jahr den biometrischen Reisepass mit Funkchip ein, auf dem alle Passdaten gespeichert sind. Die Speicherung der Fingerabdrücke und ein digitales Fotos sollen folgen. Auch in den USA soll der Biometrie-Pass bis Ende des Jahres eingeführt sein. Außerdem werden bei der Einreise ein Digitalfoto und die Fingerabdrücke eines Zeigefingers der Reisenden gespeichert.

Biometrische Systeme können Personen anhand körperlicher Merkmale wie Fingerabdruck, Gesicht oder Iris identifizieren. Möglich ist auch das Erkennen der Stimme, der Schrift und der Gangdynamik. Bei der Identitäts-Überprüfung wird die Übereinstimmung eines körperlichen Kennzeichens per Kamera mit der Vorlage in einer Datenbank verglichen.

Die am häufigsten eingesetzten Verfahren in Deutschland sind das Scannen von Fingerlinien und die Gesichtserkennung. „Die EU hat sich mit ihrer Gesetzgebung auf den Einsatz dieser biometrischen Verfahren bei der Grenzkontrolle festgelegt“, erklärt Seibt vom ZVEI. In dem Verband sind über 60 Hersteller elektronischer Sicherheitssysteme zusammengeschlossen, auf die rund 90 Prozent des Umsatzes mit Sicherheitstechnik in Deutschland entfallen.

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