Branchenfonds geplant
Die Belegschaft beteiliegen

Die lang diskutierte staatliche Förderung der Mitarbeiterbeteiligung ist seit dem 27. August dieses Jahres beschlossene Sache. Das Bundeskabinett hat sich darauf geeinigt, dass Mitarbeiter an ihrem Unternehmen steuer- und abgabenfreie Anteile bis zu 360 Euro im Jahr erwerben können. Bisher waren es nur 135 Euro. Doch die Einlagen sind nicht gesichert. Bei einer Unternehmensinsolvenz droht den Beteiligten der Totalverlust.

WERTHER. Geplant ist außerdem ein so genannter Branchenfonds, in den Mitarbeiter auch alternativ zur Direktbeteiligung an ihrem Unternehmen investieren können.

Das Modell funktioniert im Prinzip wie die Anlageform geschlossener Fonds. Mit einem entscheidenden Unterschied: "Das gleiche Modell, das früher Strukturvertriebe zur Steuerstundung verkauft haben, wird heute mit Steuergeldern subventioniert", sagt Lothar Päbst, Unternehmensberater und Geschäftsführer der Ad Bonum GmbH. Experten rechnen dafür mit Mindereinnahmen von 300 Mill. Euro pro Jahr.

Geschlossene Fonds sammeln für ein oder mehrere Unternehmen bei Anlegern Geld ein, um so Kapital für Investitionen oder zur Wachstumsfinanzierung zu beschaffen.

In der Vergangenheit wurden geschlossene Fonds mit bewusst hoch kalkulierten Verlusten der Gesellschaft aufgelegt, um dem Anleger steuerliche Verlustzuweisungen zu verschaffen. "Seit 11. November 2005 sind diese Steuerstundungsmodelle verboten", sagt Steuerexpertin Martina Habel aus Bielefeld, die ihren Mandanten von geschlossenen Fonds abrät: "Die Beteiligungen sind nicht fungibel und können kaum veräußert werden. Außerdem existiert für diese Art der Anlage bisher kein Einlagensicherungsfonds."

Beide Nachteile gelten auch für die geplanten Fondsmodelle der Regierung. Der Branchenfonds soll zwar das so genannte Klumpenrisiko - in diesem Falle der Verlust von Arbeit und Kapital - senken, doch eine staatliche Garantie vor einem Totalausfall gibt es auch hier nicht. Und dies, obwohl der Mittelstand, der besonders von der Förderung der Mitarbeiterbeteiligung profitieren soll, die Insolvenz-Statistik anführt.

Laut Mittelstandsstudie der Universität Münster in Kooperation mit der WGZ Bank resultieren die Insolvenzen aber nur zu einem sehr geringen Teil aus Marktstrukturen oder Absatzproblemen. 90 Prozent der Unternehmenspleiten resultieren aus einem mangelhaften Debitorenmanagement. "Die BaFin wäre damit überfordert, bei jeder Mitarbeiterbeteiligung die Qualifikation der Geschäftsleitung zu überprüfen", so Martina Habel. "Die Gefahr ist groß, dass finanziell angeschlagene Unternehmen sich Kapital von ihren Mitarbeitern beschaffen, um ihre Kennzahlen zu verbessern", sekundiert Päbst. "Gesunde Unternehmen haben das nicht nötig." So beteiligt die Pforzheimer Schmuckmanufaktur Victor Mayer GmbH & Co. KG ihre Arbeitnehmer denn auch lieber ohne staatliches Dazutun: "Die Mitarbeiter erhalten eine Prämie, abhängig vom Ertrag", sagt Marcus O. Mohr.

Für den geschäftsführenden Gesellschafter des über 150 Jahre alten Traditionsunternehmens ist das Debitorenmanagement Chefsache. Die Dienste eines Inkassobüros kommen für ihn nicht in Frage: "Wir kennen das Zahlungsverhalten unserer Kunden und wissen mit ihnen partnerschaftlich umzugehen", so Mohr, der selber Mitglied im Pforzheimer Creditorenverein ist. Im internationalen Geschäft sichert Mohr sich ganz einfach ab: "Wir beliefern einen Großteil der Märkte nur gegen Vorkasse." Dank dieser Strategie kommen Forderungsausfälle bei Victor Mayer so gut wie gar nicht vor. "Wir haben keine Kreditversicherung nötig", sagt Mohr. Das Kapital der Mitarbeiter auch nicht. Die Schmuckmanufaktur aus der Goldstadt sei nicht auf staatliche Förderung angewiesen. Mohr: "Wir sind in der komfortablen Lage, die Boni selbst zu erwirtschaften und die Mitarbeiter dürfen das Geld behalten." Und damit tun, was sie möchten.

"Die Bundesregierung aber will mit der staatlichen Förderung der Mitarbeiterbeteiligung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens soll der Mitarbeiter seine Altersvorsorge aufstocken und zweitens dem Mittelstand nebenbei zu Kapital verhelfen", sagt Päbst. Mit genau den gleichen Argumenten wirbt auch der Strukturvertrieb: für geschlossene Mittelstands-Fonds.

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