Breuninger-Prozess
Der Kampf um das Nobelkaufhaus geht weiter

Im Gesellschafterstreit um die Kaufhaus-Dynastie Breuninger werden wichtige Zeugen vernommen. Auch die Tochter des früheren Firmenchefs sagt aus. Die Streitparteien stehen sich weiter unversöhnlich gegenüber.

StuttgartIn dem Streit um die Eigentümerverhältnisse beim Nobelkaufhaus Breuninger sind die Fronten weiter verhärtet. Auch nach dem Auftritt der Erbin Helga, Tochter des verstorbenen Heinz Breuningers, vor dem Oberlandesgericht Stuttgart am Mittwoch zeichnet sich keine Lösung ab. Helga Breuninger stellte sich gegen den Kläger, der einen Anteil an Breuninger fordert. Dagegen äußerte ein andere Zeuge Zweifel an dem Deal, mit dem die beiden heutigen Mehrheitseigner Willem von Agtmael und Wienand von Meilicke 80 Prozent an Breuninger übernommen hatten.

Van Agtmael und Meilicke werden vom dem ehemalige Stiftungsvorstand Wolfgang Blumers verklagt, der auf einen 16-prozentigen Anteil am Unternehmen pocht. Die Stiftung war 2004 aufgelöst worden, unmittelbar danach hatte die Alleinerbin Helga Breuninger ihren 80-Prozent-Anteil an die beiden anderen Stiftungsvorstände Willem van Agtmael und Wienand Meilicke verkauft.

Wolfgang Blumers fühlt sich bei dem Deal übergangen und verklagt deshalb seine beiden ehemaligen Mitstreiter. Er sei 2004 gehindert gewesen, direkt mit einzusteigen. Seinerzeit war Blumers Partner bei der Kanzlei Gleiss Lutz. Der Sozietätsvertrag habe eine direkte Beteiligung an Breuninger unmöglich gemacht.

Blumers argumentiert, dass er als einer der fünf Stiftungsvorstände der Auflösung der Stiftung nur zugestimmt habe, wenn er auch Anteile erwerben kann. Mit van Agtmael und Meilicke sei das so abgemacht worden. Bis 2011 habe er seine Rechte als Beirat wie zu Stiftungszeiten weiter wahrgenommen. Erst als die Frage nach der Beteiligung konkret wurde, sei er ausgebootet worden.

Die Breuninger-Tochter Helga widersprach dieser Version bei ihrer Vernehmung heftig. „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass nur von Agtmael und Meilicke die Anteile übernehmen. Von Geheimabsprachen, nach denen auch die anderen Stiftungsvorstände später beteiligt werden sollen, wusste ich nichts. Ich hätte das auch nicht akzeptiert", sagte Breuninger.

Ihr sei es darum gegangen, die gemeinnützige Stiftung vom operativen Geschäft der Breuninger-Häuser unabhängig zu machen. „Heute läuft das Unternehmen gut und ich bin stolz auf die Erfolge der von mir geführten Stiftung“, sagte Breuninger. Auf die Frage, ob sie ihre Anteile mit zunächst 40 Millionen Euro womöglich zu billig verkauft habe, sagte Breuninger: „Ich bin ein bescheidener und pragmatischer Mensch. Deshalb war der Kaufpreis für mich in Ordnung.“

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