Chancen für deutsche Firmen
Wasserknappheit bedroht Chinas Zukunft

China zählt zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Etwa 90% der Ressourcen sind verschmutzt, und 24% der Stadt- sowie 80% der Landbevölkerung nicht an die Wasserversorgung angeschlossen. Für deutsche Unternehmen bieten sich gute Marktchancen.

bfai PEKING. China setzt bislang etwa fünf- bis zehnmal soviel Wasser zur Produktion einer BIP-Einheit ein wie der internationale Durchschnitt. Will sie mit dem rasanten Wirtschaftswachstum der letzten Jahre und den vor allem in den Städten steigenden Lebensniveau Schritt halten, sind hohe Investitionen erforderlich. Bis 2010 sollen daher nach Angaben des Ministry of Construction (MoC) gegenüber der bfai rund 30 Mrd. Euro für den Ausbau der Wasserver- und -entsorgung inklusive Rohr- und Kanalisationssysteme bereitgestellt werden.

Dabei hat die Regierung in den vergangenen Jahren schon erheblich investiert. Während bei den Wasserwerken Überkapazitäten bestehen und eher Modernisierungsmaßnahmen, insbesondere Organisations- und Managementverbesserungen, gefragt sind, ist der Bedarf sowohl im Bereich der Kanalisation als auch bei der Abwasser- und Klärschlammbehandlung immer noch riesig. Nur ca. 46% der erfassten Abwässer werden geklärt. Experten gehen daher auch weiter von einem zweistelligen Wachstum der Wasserwirtschaft aus.

Gute Marktchancen für deutsche Unternehmen bestehen bei der Modernisierung landwirtschaftlicher Bewässerungssysteme. Experten gehen davon aus, dass aufgrund neuartiger Techniken das pro Mu (chinesische Flächeneinheit; 1/15 ha) eingesetzte Wasser auf rund 450 cbm gesenkt und moderne Ausrüstungen bis 2010 in signifikanter Weise erfolgreich verwendet werden könnten. Die Regierung fördert deren Nutzung durch verschieden Projekte und Programme.

Ähnlich sieht es für Ausrüstungen zur Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung aus. In den meisten der landesweit ca. 2100 Wasserwerke finden traditionelle Methoden und lokal hergestellte Anlagen Anwendung, die zu sehr niedrigen Preisen angeboten werden. Während die Standardprodukte normalerweise den Anforderungen gewachsen sind, zeigen inländisch hergestellte Dosier- und Kontrollsysteme sowie Spezialpumpen häufig Mängel. In diesen Bereichen kommen ausländische Firmen zum Zuge. Dies gilt auch für Verfahren wie die Membrantechnologie, dem Aktivkohleverfahren und der Ozonoxidation, bei denen Nachholbedarf besteht. Auch die UV-Technologie beginnt, sich in diesem Bereich zu etablieren.

Bildergalerie: Chinas Umweltsünden

Prinzipiell sind die Lieferchancen für ausländische Unternehmen dann günstig, wenn es sich um große Vorhaben, Pilot-Projekte oder Kläranlagen mit hoher Belastung handelt. Bei der städtischen Abwasserentsorgung ist der nicht unerhebliche Industriewasseranteil zu beachten. Gefragt sind daher eher robuste als technisch zu anspruchsvolle Systeme und Ausrüstungen.

Der Kläranlagenbau der letzten Jahre hat zu einem gewaltigen Anstieg von Klärschlamm geführt. Wie dieser entsorgt werden soll, ist bislang noch nicht gelöst. Momentan wird über verschiedene Verfahren nachgedacht, wobei der Trend auf die Co-Verbrennung deutet. Der Bedarf an entsprechenden Technologien zur Vortrocknung und Verbrennung des Schlamms wird als äußerst hoch eingeschätzt. In Fachkreisen hofft man auf eine umfassende Regelung zur Klärschlammentsorgung noch 2006. Problematisch ist angesichts fehlender Entsorgungsgebühren die Kostendeckung derartiger Verfahren. Im Wesentlichen müssten die Gelder zumindest in der Anfangsphase durch den Staat aufgebracht werden.

Darüber hinaus ist China, sofern es ihre umweltpolitischen Ziele in den nächsten Jahren umsetzen will, vor allem auf zuverlässige und genaue Messtechnik angewiesen. Denn obwohl der gesetzliche Rahmen bereits relativ eng abgesteckt ist, sind Verschmutzung und Verschwendung bis heute immer noch gängig. Die in den Gesetzen angedrohten Strafmaßnahmen können nur bei intensiver Kontrolle der Regelungen greifen. Dazu sind die mit dieser Aufgabe befassten Institutionen technisch aber nicht in der Lage, da sie nicht über entsprechende Messtechnik verfügen.

Der Markt für Online-Umweltmesstechnik-Instrumente (EOMI - Environmental Online Monitoring Instruments) wächst daher kräftig. Bislang konzentriert sich die State Environmental Protection Administration of China (SEPA) bei der Onlinekontrolle vor allem auf den chemischen Sauerstoffbedarf sowie den ph-Wert. Künftig dürften jedoch weitere Werte hinzukommen. Der Bedarf an diesen Messsystemen ist gewaltig. Experten gehen von landesweit rund 27 000 benötigten Einheiten aus, was einer Marktgröße von ungefähr 2 Mrd. bis 3 Mrd. RMB (100 RMB = 10,37 Euro) entspricht.

Angesichts knapper Finanzmittel kann sich China nicht dem weltweiten Trend entziehen, seine städtischen Wasser- und Abwassersysteme nach und nach für den privaten Sektor zu öffnen. Nach Einschätzung des MoC dürften BOT- (build, operate, transfer-) und BT- (build, transfer-) Projekte für etwa 10% der Wasserversorgungsvorhaben und für 20% der neuen Kläranlagen vorgesehen sein. Große Chancen ergeben sich vor allem für den Bau industrieller Kläranlagen in den Industrie- und Hochtechnologieparks. Die dortigen Verhältnisse sind übersichtlicher, die Preise höher, die Gebühreneintreibung leichter.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

Die bfai-Broschüre "Wassertechnik und Wassermanagement in der VR China" (60 Euro; Bestell-Nr. 11278) beleuchtet die Situation und zeigt Absatzchancen für deutsche Unternehmen auf.

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