Chancen für deutsche Unternehmen
Dem Euro-Kurs sei Dank

Der Euro steigt und steigt. Während die Politik um die europäische Wettbewerbsfähigkeit bangt, entdecken Unternehmen die Chancen eines niedrigen Dollar-Kurses: Sie kaufen in den USA kräftig und günstig ein. Und auch die Produktion in Übersee wird immer attraktiver.

NEW YORK/FRANKFURT. Der steigende Euro-Kurs birgt für die deutsche Wirtschaft nicht nur Risiken. Zwar klagen Unternehmen wie BMW oder Airbus, die weitgehend in Europa produzieren, in erster Linie über ihre Nachteile auf der Kostenseite. Doch die Konzerne nutzen auch die Vorteile eines schwachen Dollars, geben ihre jahrelange Zurückhaltung auf und planen Einkäufe in Übersee.

Die Sorge vor einer Rezession in den USA hat den Euro am Mittwoch erstmals über 1,53 Dollar getrieben. Die Gemeinschaftswährung stieg am Nachmittag kurz auf 1,5302 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit seiner Einführung 1999.

Nach Ansicht von Finanzexperten sind US-Unternehmen nicht nur wegen des sinkenden Dollar-Kurses attraktiv. Der starke Kursverfall einzelner Werte an den US-Börsen reizt zusätzlich zum Kauf: "Wer in den USA Fusionen und Übernahmen anstrebt, sollte es jetzt tun", rät Jean Manas, M&A-Chef der Deutschen Bank in den USA. Seine Begründung: Die US-Bewertungen seien bereits unter Druck und die Auswirkungen einer möglichen Wachstumsschwäche "noch nicht voll" in die Aktienbewertungen der Europäer eingeflossen. Die Erfahrungen zeigten aber, "dass die Bewertungen in Europa in der Regel den amerikanischen folgen".

Trotz der Tatsache, dass sich deutsche Konzerne in den USA regelmäßig schwertun (Beispiel Daimler -Chrysler), haben sie schon in den vergangenen Monaten beherzt zugegriffen. Die Statistik des Finanzdatenanbieters Dealogic listet seit Januar 2007 fast 60 deutsche Zukäufe von US-Firmen auf, mehr als in den Jahren zuvor.

Die prominentesten: Siemens investierte fast acht Mrd. Euro in den Medizintechniker Dade Behring und den Software-Anbieter UGS, Henkel wagte mit National Starch (Klebstoffe) zuletzt die größte Übernahme seiner Firmengeschichte. Auch Lufthansa, SAP, Münchener Rück, RWE, Bosch und die Software AG kauften in den USA zu. EADS-Konzernchef Louis Gallois will bald nachlegen: "Jetzt ist die richtige Zeit für Akquisitionen in den USA."

Experten rechnen damit, dass sich der Trend zur Schnäppchenjagd bei einem Euro-Kurs oberhalb der Marke von 1,50 Euro forcieren wird. Die Deutsche Bank erwartet im laufenden Jahr acht große US-Transaktionen im Volumen von mindestens zehn Mrd. Dollar, die meisten davon unter Federführung europäischer Firmen. Im Zentrum der nächsten Übernahmewelle stehen vor allem Anbieter aus den Bereichen Rohstoffe, Finanzdienstleister, Technologie sowie Industrieunternehmen. Die sich ausweitende Kreditkrise sieht Manas in erster Linie als große Bremse für Finanzinvestoren, bei denen volumenstarke Deals momentan kaum möglich seien. Erfolgreichen Unternehmen indes falle "die Refinanzierung an den Kreditmärkten heute viel leichter als Banken", sagte er.

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