Claas-Gruppe
Cathrina Claas: „Ich will die Unabhängigkeit sichern“

"Mähdrescher" war eines der ersten Worte von Cathrina Claas. Heute ist die 33-Jährige stellvertretende Vorsitzende des Gesellschafterausschusses der Claas-Gruppe, einem der größten Landmaschinenhersteller weltweit. Im Interview mit dem Handelsblatt anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz am Montag spricht sie über die Vor- und Nachteile, das einzige Familienunternehmen in der Landtechnikbranche zu sein.

Frau Claas, stimmt es, dass eines Ihrer ersten Worte als Kind „Mähdrescher“ war?

Das war tatsächlich so. Unser Unternehmen und seine Produkte waren schon sehr früh in meinem Leben präsent. Im Alter von 15 Jahren habe ich ein Praktikum in der Lehrwerkstatt gemacht. Die von mir gedrehten und gefrästen Lehrlingsstücke hängen noch im Kinderzimmer im Haus meiner Eltern an der Wand. Die Entscheidung, ins Unternehmen einzutreten, habe ich aber erst nach meinem Betriebswirtschaftsstudium getroffen.

Heute wachen Sie als stellvertretende Vorsitzende des Gesellschafterausschusses über die Entwicklung von Claas, einem der führenden Landmaschinenhersteller der Welt. Wie verstehen Sie sich in dieser Rolle?

Ich übe eine sehr aktive Gesellschafterrolle aus. Die unternehmerische Verantwortung führt dazu, dass ich genau hinschaue. Allerdings nicht im Sinne von tiefer Kontrolle, sondern von enger Zusammenarbeit mit unserer Geschäftsführung bei allen strategischen Entscheidungen.

Seit Ihrem 25. Lebensjahr sind Sie Mitglied des Gesellschafterausschusses von Claas. Sie waren 29 Jahre alt, als Sie vom Schweizer ABB-Konzern hauptberuflich in den Gesellschafterausschuss gewechselt sind. Wir schwierig war dieser Schritt für Sie?

Der Ausschuss war damals besetzt mit vielen erfahrenen Menschen, die über 60 Jahre alt waren. Anfangs habe ich mich in den Sitzungen kaum zu Wort gemeldet. Bis meinem Vater der Kragen platzte. Er sagte: „Wenn du nur dasitzt und nichts fragst, muss ich dich wieder rausschmeißen. Es ist doch auch dein Unternehmen.“ Da habe ich begonnen, mich tief einzuarbeiten, bin zu den Landesgesellschaften gefahren, habe Mitarbeiter, Händler und Importeure kennengelernt.

Gab es keinen Generationenkonflikt mit Ihrem Vater Helmut, dem Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses?

Über Sachthemen kann man sich immer auseinandersetzen, auch wenn wir sehr ähnlich ticken und Unstimmigkeiten nicht häufig vorkommen. Aber mein Vater hat mich nie gedrängt, sondern in den vergangenen Jahren behutsam eingeführt. In den ersten Jahren beschäftigte ich mich mehr mit dem kaufmännischen Bereich, dann kamen Marketing und Vertriebsthemen dazu. Mein Vater ist mit Leib und Seele Ingenieur und kümmert sich weiter um die Technik.

All das klingt so, als ob Sie sich darauf vorbereiten, bald an die Spitze der Geschäftsführung von Claas zu rücken. Dort sitzen momentan ausschließlich familienfremde Manager.

Grundsätzlich sollte man keine Option ausschließen, es gibt jedoch keine konkreten Pläne. Wir sind im Management gut aufgestellt.

Es gibt bei Claas seit einigen Jahren keinen Vorsitzenden der Geschäftsführung mehr, sondern nur noch den Sprecher. Wird der Vorsitz für Sie freigehalten?

Diese Konstruktion ist eine bewusste Entscheidung seit 2001, weil mein Vater und ich uns als aktive Gesellschafter verstehen und dadurch sehr detailliert über das Geschäft informiert sind. Sollte es ernsthafte Konflikte mit der Geschäftsführung geben, können wir in dieser Konstruktion besser schlichten. Das ist aber bisher noch nie vorgekommen.

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