Covenants
Darlehens-Vereinbarungen auf dem Prüfstand

Nach der Krise überlegen Banken, wie Investments sicherer gemacht werden können. Eine Lösung: Kreditauflagen sollen sich stärker an der finanziellen Entwicklung der Unternehmen und weniger an statistischen Kennzahlen orientieren. So genannte Covenants ergänzen die Informationspflichten zu Finanzkennzahlen um bestimmte Verhaltensregeln für die Unternehmen.

MÜNCHEN. "Das kommt völlig überraschend!" - so die häufige Reaktion der Finanzchefs von Unternehmen, die gerade ihre Kreditlinien verloren haben. Wirklich überraschend ist dieser Schritt aber nur in den seltensten Fällen, ist er doch der Letzte in einer Reihe von Eskalationsstufen, bis es zur endgültigen Linienkündigung kommt.

Aus Sicht des Finanzierers - egal ob Bank, Mezzanine-Geber oder auch Kreditversicherer - ist er vielmehr eine logische Reaktion auf "gerissene" Kreditauflagen. Denn die so genannten Covenants gelten als Leitplanken der Kreditentscheidung und umfassen neben Informationspflichten zu Finanzkennzahlen auch ganz bestimmte Verhaltensregeln für das Unternehmen. Beim Verletzen dieser Regeln werden nicht nur Kleinkredite standardmäßig gekündigt, auch bei größeren Engagements werden individuelle Konsequenzen gezogen. Es besteht das latente Rechtsrisiko, dass der gesamte Kreditvertrag unwirksam wird.

Gerade vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Monate drängt sich die Frage auf: Welchen Stellenwert haben diese Covenants künftig aus der Sicht der führenden deutschen Bankinstitute? Im Rahmen einer Umfrage antworteten darauf mehr als 520 Kreditexperten bei über 100 deutschen Kreditinstituten.

Das Umfrageergebnis zeigt: Auf Grund einer Flut von Neuzugängen im Sanierungsbereich sprechen die Profis in den Sanierungsabteilungen Covenants eine erhebliche und wachsende Stellung bei der erfolgreichen Krisenbewältigung zu. Besonders bilanznahe Covenants werden jedoch derzeit durch die gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen von den Banken bei der Neukreditvergabe bzw. Prolongation vermieden, da sonst die Gefahr droht, laufend mit Covenant-Brüchen konfrontiert zu werden.

Daher rücken zunehmend auch verhaltensabhängige Covenants in den Vordergrund, die sich stärker an der finanziellen Performance des Unternehmens orientieren und weniger an statistischen Kennzahlen. Sie fordern von dem Unternehmen und den Gesellschaftern gezielt Aktivitäten zur Stärkung des Eigenkapitals, Verbesserung der Sicherheiten, risikoadäquate Konditionen oder Forcierung des Prozesses zur Restrukturierung.

Für die Zukunft gilt bei Finanzierern wieder die alte Börsenweisheit: "Cash is king". Durch gezielten Covenants-Einsatz wollen Banken künftig die Cash-Generierung im Unternehmen professionalisieren und einen Liquiditätsengpass (Cash-Out) unterbinden. Dazu zählt vor allem auch die Transparenz über Herkunft und Prognose des Cashflows.

Bei einmaligen Verstößen sind Auflagen wie zum Beispiel verschärfte Informationspflichten, Anpassung der Konditionen oder das Verbot von Dividendenzahlungen die Regel. Bei mehrmaligen Verstößen wird seitens der Kreditinstitute meist eine Nachbesicherung oder auch das Hinzuziehen einer Beratung bzw. eines Risikomanagers in Betracht gezogen.

Die Befragung der Kreditinstitute ergab auch, dass die Regelung zur fristlosen Kreditkündigung (Cross Default) erst an letzter Stelle aller Verhaltensverpflichtungen steht.

Seite 1:

Darlehens-Vereinbarungen auf dem Prüfstand

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%