Deutliche Zunahme erwartet
Mittelstand öffnet sich Auslandsinvestoren

Lange Zeit hatte sich der deutsche Mittelstand gegen den Einstieg von Finanzinvestoren gewehrt. Nun scheinen die Firmen offener für solche Lösungen. Banken erwarten in den kommenden Jahren eine deutliche Zunahme der Auslandsinvestitionen im deutschen Mittelstand – auch deshalb, weil bei vielen Firmen ein geeigneter Nachfolger fehlt.

ben FRANKFURT. "Die kleineren Firmen sind offener als früher für solche Lösungen etwa von Nachfolgeproblemen oder Schwierigkeiten bei der Internationalisierung", sagte Jürgen Fitschen, zuständiger Vorstand der Deutschen Bank. 24 Prozent der mittleren und kleineren Firmen hierzulande stehe Beteiligungen offen gegenüber, so lange es sich um eine Minderheitsbeteiligung im gegenseitigen Einverständnis handele.

Lange hatten die 3,4 Mill. Firmen, die in Deutschland zum Mittelstand gezählt werden, sich gegen den Einstieg von Investoren (Private Equity) gewehrt. Da dies meist mit der Übernahme der Mehrheit durch den Investor verbunden war, scheuten vor allem Firmengründer einen solchen Schritt.

Darauf haben Banken wie die Commerzbank oder Morgan Stanley mit dem Aufbau von Programmen für Minderheitsbeteiligungen reagiert. "Insgesamt sehen wir, dass mittelständische Unternehmen sehr interessiert sind, ausländische Investoren, die das Unternehmen sowie das Geschäftsmodell verstehen und das Management unterstützen, ins Boot zu holen", sagt Johann von Wersebe, Leiter des Mittelstandsgeschäfts der Investmentbank Morgan Stanley. Anders als die deutsche Konkurrenz beschränkt er sich bei seinen Bemühungen um Neugeschäft auf die 500 größten Firmen.

Der designierte Chef des Mittelstandssektors der Commerzbank, Markus Beumer, will mit einem eigenen Fonds Firmen helfen, die keinen geeigneten Nachfolger haben. Bei jährlich 70 000 Unternehmensübergaben in Deutschland taucht dieses Problem auf. Oft haben die Kinder der Firmengründer wenig Interesse an dem jeweiligen Geschäft, wollen aber die Kontrolle aus wirtschaftlichen Gründen nicht abgeben.

Die Deutsche Bank, mit einem Anteil von 26 Prozent nach eigener Einschätzung hierzulande Marktführer im Mittelstandgeschäft, setzt nun auf die Vermittlung von Minderheitsbeteiligungen aus dem Ausland. So erwartet Fitschen zunehmend Interesse aus Ländern wie Indien oder aus dem arabischen Raum. Investoren aus Indien seien vor allem daran interessiert, Zugang zu deutschem Know-How und zur guten Forschungsarbeit deutscher Firmen mit Universitäten zu erlangen. "Die Investoren suchen Zugang zu den Köpfen", sagte Fitschen. Spürbar sei dies vor allem im Automobilbau. Hier seien Zulieferer gefragt, weil in Indien großes Potenzial für diesen Sektor in den kommenden Jahren gesehen werde.

Arabische Investoren seien eher an reinen Finanzanlagen interessiert. "Deren Länder sind oft so klein, dass es vor Ort wenig Investitionsmöglichkeiten gibt", so Fitschen. Er rechnet damit, dass die Bank durch die Vermittlung von Auslandsbeteiligungen ihre Kundenzahl von 900 000 bis 2010 auf eine Million steigern kann.

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