Deutsche Lackindustrie
Farbe soll Sonnenlicht in Strom umwandeln

Noch ist es eine Vision, aber eine, die bald Wirklichkeit werden könnte: Es geht um die Entwicklung von Lacken, die aus Sonnenlicht Strom erzeugen – so wie es Solarzellen bereits tun. Bei den riesigen Flächen an Häusern eine reizvolle Vorstellung. Die Industrie arbeitet mit Hochdruck an der neuen Technik.

BADEN-BADEN. „Sicherlich ist es noch eine Vision“, sagt Peter Becker, Präsident des Verbands der deutschen Lackindustrie, „aber wir arbeiten mit Hochdruck daran.“ Auch wenn entsprechende Lösungen und Anwendungen zur Stromerzeugung noch auf sich warten lassen, führt die deutsche Lackindustrie ihren wirtschaftlichen Erfolg nicht zuletzt auf die jetzt schon vorhandenen „intelligenten Lacke“ zurück.

Die Oberflächenbeschichtung soll dann nicht nur Häuserwände oder Autos vor Umwelteinflüssen schützen, sondern auch ganz einfach zum Wohlbefinden und zur Gesundheit beitragen. „Zusammen mit den Rohstofflieferanten, unseren Kunden und den Forschungszentren werden Lacke mit vollkommen neuen Eigenschaften entwickelt“, erklärt Becker. Der selbstreinigende Lotuseffekt ist schon hinreichend beschrieben worden. Die schmutzabweisende Oberflächenstruktur, bedingt durch die Noppenstruktur im Bereich von wenigen Nanometern, erschwert das Anhaften von Verunreinigungen; Regen wäscht Verschmutzungen einfach ab. Die Fahrt des Autos durch die Waschanlage ist dank hoch kratzfester Beschichtungen kein Wagnis mehr. Eine bessere Raumluft erreichen die Lackforscher durch so genannte photokalisch wirkende Substanzen. Zum Anstrich von Decken und Wänden in Krankenhäusern eignen sich neuartige Beschichtungen mit antibakteriellen Eigenschaften. Spezielle Anstriche können für Alarmsignale sorgen, wenn an Flugzeugteilen oder an Brücken Materialermüdungen oder mechanische Spannungen auftreten.

Mit solchen innovativen Produkten rechnen die rund 250 Unternehmen in Deutschland mit ihren rund 20 000 Beschäftigten für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von drei Prozent auf 5,2 Mrd. Euro. Wegen hoher Rohstoffkosten und höhere Energiepreise, die nur zum Teil an die Kunden weitergegeben werden, bedeutet das allerdings nur ein mengenmäßiges Wachstum von einem Prozent auf 2,25 Mill. Tonnen.

Das Know-how der mittelständisch geprägten Lackindustrie, über Jahrzehnte aufgebaut, macht die Branche zunehmend unabhängig von der Konjunktur. Hier hat sich die Industrie auch eine sehr hohe Kompetenz bei den Anwendungen aufgebaut. So müssen höhere Preise für Lacke nicht unbedingt auch höhere Kosten beispielsweise bei der Automobilindustrie bedeuten, wenn sich die Lacke leichter verarbeiten lassen und eben kratzfester sind.

So forscht die Lackindustrie ebenso an „leichteren“ Produkten für die Flugzeughersteller; jedes Kilogramm weniger Lack verringert das Gewicht des Fliegers, der somit weniger Treibstoff benötigt. Bei den neuen Airbus-Flugzeugen geht das gleich in den Tonnenbereich. Mit dem Maschinenbau, der Elektro- und Metallindustrie, also den klassischen Exportindustrien mit hohem Bedarf an Spezialbeschichtungen, wächst auch der Export der Lackhersteller und erreicht im laufenden Jahr einen Anteil von fast fünfzig Prozent.

Ohne Probleme lebt auch die Lackindustrie nicht. Neben den steigenden Rohstoff- und Energiekosten oder den bürokratischen Erschwernissen durch die europäische Chemikalienverordnung „Reach“ sind die Hersteller stark abhängig von den konjunkturellen Schwankungen der Bauindustrie, die mengenmäßig zwei Drittel des Absatzes und etwa die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Auch gibt es einen Mangel an geeignetem Nachwuchs, vor allem Lack-Ingenieure fehlen. Bei begrenzten Ausbildungsmöglichkeiten verlassen jedes Jahr nur wenige Lack-Ingenieure die Hochschulen. Sie finden zudem attraktive Arbeitsplätze in der Automobil- oder Rohstoffindustrie. Daher hat der Verband zusammen mit der Chemischen Industrie eine Image-Aktion gestartet, um junge Menschen zu gewinnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%