Deutsche Unternehmen in Brasilien
Blütezeit für Bio-Treibstoff

Sonniges Tropenland, endlose Küsten, starke Winde: Brasilien bietet alles, was die Solar- und Windenergiebranche zum Wachstum braucht. Doch in Brasilien entdeckten viele deutsche Unternehmen noch einen ganz anderen lukrativen Markt.

SÃO PAULO. Brasilien lockte die Hamburger Conergy AG. Man schwärmte vom Potenzial für erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Solarwärme und Windkraft. Doch als Peter Gross, Conergy-Direktor für Lateinamerika, im vorigen Jahr die Niederlassung in São Paulo gründete, war schnell klar: Der Konzern wird dort zu neuen Ufern aufbrechen. Biotreibstoff, vor allem Ethanol, heißt das Geschäft von Conergy in Brasilien.

Zusammen mit einem alteingesessenen Zucker- und Alkoholkonzern errichtet Conergy jetzt zwei Ethanolfabriken auf der grünen Wiese – als erste deutsche Firma in Brasiliens derzeit attraktivster Wachstumsbranche. Im Zentrum Südamerikas, 1 200 Kilometer von Küste und Häfen entfernt, werden die Fabrik inmitten gewaltiger Zuckerrohrplantagen errichtet. Der lokale Partner steuert Erfahrungen in der Landwirtschaft und im Betrieb von Destillen bei. Conergy organisiert die Finanzierung und bringt Erfahrungen in der Projektentwicklung von Energieanlagen ein. „Jeder der Partner profitiert vom anderen“, sagt Gross.

Aus Sicht von Experten eine viel versprechende Strategie: „Solche Netzwerke sind gerade für die meist kleinen Unternehmen der deutschen Umweltindustrie entscheidend, um ausreichende Größe zu erreichen und schnell zu wachsen“, sagt Burkhard Schwenker, Chef von Roland Berger Strategy Consultants. Durch Kooperationen können sich Firmen den Marktzugang sichern.

Wenn die Anlagen von Conergy in Betrieb gehen, soll das Ethanol per Zug und später über eine Ethanolpipeline zu den Atlantikhäfen gebracht und exportiert werden. Conergy will die Ethanolanlagen zeitweise selbst betreiben oder weiterverkaufen und in neue Projekte investieren.

Der börsennotierte Hamburger Systemanbieter dreht in Brasilien ein großes Rad. Rund 200 Mill. Dollar betragen die Investitionen, von denen Conergy die Hälfte stemmt. Vom Jahr 2009 soll die brasilianische Tochter nach Wunsch der Conergy-Führung entscheidend zum Konzerumsatz beitragen, der im vorigen Jahr bei 752 Mill. Euro lag. Conergy will im Ausland und in neuen Geschäftsfeldern jenseits des Kerngeschäfts Photovoltaik wachsen.

Für Umwelttechniker wie Conergy liegen in großen Entwicklungsländern wie Indien, China oder Brasilien riesige Wachstumspotenziale. Denn die Verschmutzung nimmt dort zum Teil dramatische Ausmaße an. Doch im vorigen Jahr waren gerade einmal 14 Prozent der deutschen Umweltunternehmen global aufgestellt, 67 Prozent hatten nicht einmal einen europäischen, sondern einen rein nationalen Schwerpunkt, heißt es in einer Untersuchung von Roland Berger.

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