Die Konkurrenz um Beratungsmandate aus dem Mittelstand wird härter
Große Banken kämpfen auch um kleine Übernahmen

Die großen internationalen Investmentbanken haben den deutschen Mittelstand als attraktive Zielgruppe entdeckt und erschlossen.

FRANKFURT/M. Ein Blick auf die prestigeträchtigen Ranglisten der Beraterbanken zeigt, dass die Platzhirsche der Branche mittlerweile auch das Geschäft für Fusionen und Übernahmen (M&A) mit dem Mittelstand dominieren. Die kleineren, auf die Beratung spezialisierten Banken, deren angestammte Domäne der Mittelstand eigentlich ist, bekommen die härtere Konkurrenz zu spüren.

Mit der Deutschen Bank, JP Morgan, Morgan Stanley, Lazard, Rothschild und der Citigroup führen bei kleineren Firmenverkäufen mit einem Volumen zwischen 50 und 300 Mill. Euro sechs Institute die Liste an, die auch zu den Top-Ten bei den milliardenschweren Übernahmen in Deutschland gehören. „Das Interesse der großen Spieler an diesem attraktiven Markt wächst ständig“, sagt Marija Korsch von der Frankfurter Privatbank Metzler. „Die großen Namen bewerben sich mittlerweile immer öfter auch um Transaktionen mit einem Wert von weniger als 100 Mill. Euro.“

Den Grund dafür kennt die Investmentbankerin genau: Im Gegensatz zu den milliardenschweren Großfusionen, die gerade erst wieder anspringen, hat sich das Geschäft mit dem Mittelstand auch in den Jahren der Börsenkrise vergleichsweise stabil gehalten. Während der Flaute wichen die M&A-Abteilungen vieler großer Institute in Bereiche aus, die eigentlich nicht mehr zu ihrer klassischen Klientel zählten.

„Größere Institute können meist mehr Branchen mit spezialisierten Banker-Teams abdecken, das sehen manche Mittelständler sicher als einen Vorteil“, erläutert Henry Gibbon vom britischen Informationsdienst Thomson Financial in London, die Gründe für die Dominanz der großen Investmentbanken im Geschäft mit den kleinen Übernahmen. „Ein weiterer Pluspunkt für Großbanken ist, dass sie Beratung und Finanzierung eines Deals aus einer Hand bieten können“, ergänzt Thomas Schwingeler, Co-Leiter des deutschen M&A-Geschäfts der Deutschen Bank. Das Frankfurter Institut unterhält mit DB Consult einen eigenen Ableger, der sich speziell um Fusionen und Übernahmen für den Mittelstand kümmert.

Aber auch die kleineren, auf die Beratung spezialisierten Institute, haben ihre Stärken: „Gerade bei Mittelständlern kommt es sehr stark auf engen persönlichen Kontakt zum Unternehmen und Vertrauen an“, betont Gibbon.

Die Privatbank Metzler hat auf der Rangliste für deutsche Transaktionen aus dem Mittelstand den größten Sprung nach vorne gemacht. Vor Jahresfrist rangierte das Institut noch auf Rang 21 der so genannten League Tables, inzwischen ist das Traditionshaus auf den siebten Platz vorgerückt. Damit ist Metzler das erfolgreichste kleinere Institut in den Mittelstands Top Ten, das den Platzhirschen Paroli bietet. Dazu trug beispielsweise der Verkauf des Logistikunternehmens Transoflex an die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Odewald & Cie für 200 Mill. Euro im vergangenen März bei.

„Man muss die Verästelungen der Interessenlagen in einem Familienunternehmen genau verstehen, und man muss häufig viel Geduld mitbringen“, erläutert Metzler-Bankerin Korsch. Oft daure es viele Jahre, bis eine lang diskutierte Übernahme oder ein Verkauf wirklich zustande kämen „Ich habe noch keine Transaktion erlebt, die einfach gewesen wäre“, sagt Korsch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%