DIHK-Umfrage
Engagement im Ausland zahlt sich im Inland aus

Die Auslandsaktivitäten der deutschen Wirtschaft kommen auch dem inländischen Standort und dem deutschen Arbeitsmarkt zu Gute. Diesen Schluss zieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer gestern veröffentlichten Studie auf Basis einer Online-Umfrage, an der sich 1 500 im Ausland aktive deutsche Unternehmen beteiligt haben.

ari DÜSSELDORF. Danach bauten in den vergangenen fünf Jahren 41 Prozent der im Ausland tätigen Unternehmen hier zu Lande Beschäftigung auf und nur 25 Prozent ab. Gut 24 Prozent hielten ihre Mitarbeiterzahl konstant.

Das ergebe einen positiven Beschäftigungssaldo von 16 Prozentpunkten, betont der DIHK. Auch bei Umsatz- und Gewinnentwicklung im Inland meldeten deutlich mehr Unternehmen Steigerungen als Rückgänge. Absolute Zahlen wurden bei der Umfrage allerdings nicht erfragt. Nach einer im September veröffentlichten Studie der Bundesbank kann es bei Produktionsverlagerungen ins Ausland kurzfristig zwar negative Beschäftigungseffekte im Inland geben, längerfristig würden aber die positiven Auswirkungen auf Investitionen und dem Arbeitsmarkt überwiegen.

Nach der neuen DIHK-Umfrage ist jedoch die Einstellungsbereitschaft des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland wesentlich verhaltener als im Durchschnitt aller auslandsaktiven Unternehmen. Die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern ermittelte für die Industrie einen positiven Beschäftigungssaldo von lediglich elf Prozentpunkten und schließt nicht aus, dass Produktionsverlagerung ins Ausland „auch die Gefahr einer Arbeitsplatzverlagerung zulasten der inländischen Beschäftigung bedeuten“ könne. Besonders einstellungsfreudig zeigen sich dagegen Dienstleister. Bei ihnen ist der positive Beschäftigungssaldo laut DIHK mit 26 Prozentpunkten zehn Punkte höher als im Durchschnitt aller Unternehmen.

Insgesamt zeige die Umfrage, dass die Bedeutung von Dienstleistungen im Auslandsgeschäft stark zunehme. DIHK-Außenwirtschaftsexperte Alexander Lau führt dies unter anderem darauf zurück, dass beispielsweise in Asien beim Produktverkauf immer mehr maßgeschneiderte und damit komplexe Aufgaben verbunden seien, die „administrativ besser von spezialisierten Dienstleistern gelöst werden könnten als vom Produkthersteller allein“. Außerdem seien „unternehmensnahe Dienstleister besser geeignet, im Einzelfall notwendige Partnerschaften im Ausland erfolgreich einzugehen“, sagte Lau dem Handelsblatt.

Knapp ein Fünftel der Unternehmen, die an der Umfrage teilnahmen, ist Dienstleistungsbranchen zuzurechnen, ein Viertel dem Handel, wobei der Großhandel dominiert. 56,5 Prozent entfallen auf das verarbeitende Gewerbe – allein zwölf Prozent der Antworten kamen vom mittelständisch geprägten Maschinenbau. Mittelständlern mit Umsätzen zwischen 0,5 bis zehn Mill. Euro Umsatz stellten mehr als die Hälfte der Rückläufe für die Umfrage.

90 Prozent der Unternehmen betreiben Exporthandel. An zweiter Stelle rangiert mit fast 70 Prozent die Beschaffung von Produkten für die Weiterverarbeitung in Deutschland. 57 Prozent – meist kleine und mittlere Unternehmen – organisieren ihr Auslandsgeschäft über einen Kooperationspartner. Weniger als die Hälfte der Unternehmen gab an, im Zielland auch Auslandsinvestitionen zu tätigen. Sie sind nach der Studie laut DIHK aber „an ihren inländischen Standorten erfolgreicher als Unternehmen, deren Geschäftsstrategie nur auf dem Außenhandel beruht“. Um im Ausland erfolgreich zu sein, setzen 82 Prozent der Unternehmen auf Produktqualität (Siehe „Erfolgsfaktoren im Auslandsgeschäft“), was nach Ansicht des DIHK nur mit qualifizierten Mitarbeitern zu erreichen ist. Einen besonders hohen Stellenwert habe Produktqualität in Osteuropa und Asien.

In den zehn neuen EU-Mitgliedsländern sind nach der Umfrage fast 73 Prozent der befragten Unternehmen aktiv, in der Region Asien/Pazifik sind es 66 Prozent. Die Hauptmärkte liegen allerdings in der alten EU plus Efta wie Schweiz und Norwegen. Gute Geschäftsperspektiven erwarten sich die Unternehmen in den nächsten zwei bis fünf Jahren in China, Russland, Indien, den USA und Südostasien. Den Markteinstieg wollen viele Unternehmen demnächst in den künftigen EU-Staaten Rumänien und Bulgarien wagen.

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