Doppelmayr
Seilbahn-Hersteller zieht es in die Stadt

Für Skifahrer ist Doppelmayr seit Jahren ein Begriff: Mehr als die Hälfte aller Lifte weltweit stammt aus den Fabriken des Familienunternehmens. So langsam kommen auch Stadtbewohner nicht mehr an den Bahnen der Österreicher vorbei. Weil das alte Geschäft mit Skiliften wegbricht, sucht Doppelmayr neue Absatzmärkte - und findet sie im Nahverkehr.
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WOLFURT. Im algerischen Constantine sind die Gondeln der Firma inzwischen genauso fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs wie in Caracas. Selbst durch das MGM City Center in Las Vegas fahren die Casinobesucher nun mit Zügen von Doppelmayr - ebenso in Venedig.

Das Unternehmen aus Wolfurt bei Bregenz erschließt neue Märkte im städtischen Nahverkehr. Denn mit Skiliften hakt das Geschäft. "In Amerika geht kaum noch was", klagt Michael Doppelmayr, Chef und Miteigentümer der Aktiengesellschaft. Auch aus Osteuropa und Russland kommen weniger Bestellungen als früher. So lag der Umsatz in dem am 31. März abgelaufenen Geschäftsjahr mit 616 Mio. Euro um rund zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Gewinn ist von 82 Mio. Euro auf 29 Mio. zurückgegangen.

Gemeinsam mit Leitner dominiert Doppelmayr den Seilbahnmarkt

Zusammen mit dem Südtiroler Konkurrenten Leitner dominiert Doppelmayr den weltweiten Seilbahnbau. Daneben gibt es ein Dutzend regionaler Wettbewerber. Bis vor kurzem gab es keinen Grund zum Klagen, jahrelang stiegen die Umsätze. So lag der Umsatz von Doppelmayr vor sechs Jahren bei 418 Mio. Euro. In den Alpen haben die Skiorte ihre alten Anlagen gegen moderne und komfortablere Bahnen ausgetauscht. In Osteuropa, Russland und Asien haben die Betreiber aufgerüstet. Und in Amerika haben Immobilienentwickler Skigebiete aus dem Boden gestampft, um ihre Häuser verkaufen zu können. Viele Projekte liegen jetzt wegen der Krise auf Eis. "In Russland läuft das Geschäft nur noch in der Olympiastadt Sotschi", sorgt sich Finanzchef Hanno Ulmer.

Experten sehen langfristig aber noch ganz andere Gefahren für das Geschäft mit dem Wintersport. "Die Technik ist so aufwendig und teuer, dass viele Bergbahnen Geld verlieren", meint der Unternehmensberater Franz Schmid-Preissler. Nicht nur die Lifte kosten enorm viel, sondern auch die Beschneiungsanlagen. Dazu kommt das Präparieren der Pisten mit hochgezüchteten Maschinen. So sei es fraglich, wie lange die Betreiber noch investieren könnten.

Umso wichtiger werden für die Österreicher die Anlagen abseits der Pisten. Bereits jeder zehnte Euro stammt aus diesen Projekten. Alleine Algerien leistet sich vier innerstädtische Gondeln. Dazu kommen Aufträge aus Venezuela und Doha, der Hauptstadt von Katar. Auch Venedig kauft bei Doppelmayr. "Dieses Geschäft funktioniert hervorragend", freut sich Konzernchef Doppelmayr.

Der Seilbahnhersteller hat eine lange Tradition. Konrad Doppelmayr hat die Firma schon 1892 gegründet. Der Unternehmer war es, der 1937 in Zürs am Arlberg den ersten Skilift gebaut hat. Nach dem Krieg hat Konrads Sohn Artur das Geschäft kräftig ausgebaut unter anderem 1977 durch den Kauf des Schweizer Wettbewerbers Von Roll. Anfang der 90er-Jahre übernahm Arturs Sohn Michael die Führung. Der Betriebswirt aus Bregenz fädelte 2001 den Zusammenschluss mit der Garaventa-Gruppe ein, einem Konkurrenten aus der Schweiz.

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