Ein Konzept für unversorgte Lehrstellenbewerber
Ausbildungsverein ist kein Lückenbüßer

Wenn Jugendlichen mit einer Lehrstelle und einem Arbeitsplatz eine Zukunft geboten wird, brauchen sie ihre Heimat nicht zu verlassen. Diesem Ansatz folgt ein Modell in Halle (Saale). Bei drohendem Azubi-Mangel müssen jedoch andere Wege beschritten werden.

bl DÜSSELDORF. "Im Handwerk muss alles passen", sagt Michael Resch, Leiter des Handwerklichen Ausbildungsvereins im Kammerbezirk Halle. Gerade in kleinen Betrieben kommt es darauf an, dass die Mitarbeiter richtig qualifiziert sind und die Chemie zwischen ihnen stimmt. Damit die sachsen-anhaltinischen Handwerksunternehmen geeigneten Berufsnachwuchs finden, gleichzeitig aber auch unversorgte Lehrstellenbewerber eine Perspektive erhalten, wurde vor sechs Jahren der Ausbildungsverein ins Leben gerufen.

Die Idee: Der Handwerkliche Verein stellt die Jugendlichen ein, bezahlt sie und kümmert sich auch sonst um alle rechtlichen, sozialen und administrativen Probleme. Ihre Lehre absolvieren die unversorgten Ausbildungsplatzbewerber jedoch über die gesamte Dauer in einem Betrieb, mit dem der Verein einen Kooperationsvertrag abschließt. „Allerdings“, schränkt Resch ein, „lassen wir nur in solchen Berufen ausbilden, in denen später auch Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen.“ Eine Lehre im Bauhandwerk komme damit etwa nicht infrage.

Über 2000 Azubis hat der Handwerkliche Ausbildungsverein inzwischen eine Lehre ermöglicht. Weitere 460 kommen in diesem Jahr dazu. Für die Handwerker zahlt sich diese Ausbildungskooperation hinsichtlich der Nachwuchssicherung aus: „Für die Betriebe ist das effizienter als sich die Leute vom Arbeitsamt zu holen“, meint Resch. Von den Erfolgen des Ausbildungsvereins zeigte sich auch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) überzeugt und zeichnete ihn im Rahmen seines „Good-Practice-Wettbewerbs“ im Jahr 2001 aus.

Auch im darauf folgenden Jahr zählten die Hallenser zu den Siegern. Das Anschlussprojekt, das Jugendlichen bei der Bewältigung der zweiten Schwelle – also dem Übergang von der Ausbildung in ein Arbeitsverhältnis – helfen soll, überzeugte das BIBB.

Durch die fortlaufende Betreuung der Auszubildenden können sich die Mitarbeiter des Vereins am Ende der Lehre ein Bild davon machen, in welchen Betrieb er passen könnte, wenn ihn die ausbildende Firma nicht übernehmen kann. Seine Informationen, welcher Firmeninhaber einen fähigen Gesellen sucht, bekommt der Verein aus Einzelgesprächen in den Betrieben, von den Ausbildungsplatzentwicklern der Kammer oder auf Innungstreffen. Diese Daten werden gesammelt und daraus ermittelt, ob für einen ausgelernten Gesellen eine Stelle im Kammerbezirk Halle frei ist. Wenn die jungen Menschen dann trotz der verschiedenen Angebote ihre Heimat verlassen, müssen sich die gesellschaftlichen Akteure auf sinkende Lehrlingszahlen einstellen. Beispielsweise richten sich die Kreise Demmin, Mecklenburg-Strelitz, Müritz oder die Stadt Neubrandenburg in den kommenden acht Jahren auf „dramatisch“ sinkende Berufsschülerzahlen ein. Waren es im Schuljahr 2000/2001 noch 17 200, werden es bis 2010/2011 voraussichtlich nur noch rund 6 000 sein. Viele Standorte werden dann nicht mehr finanzierbar sein. Die Lösung: Mindestens fünf Berufsschulen werden unter dem Dach einer „Regionalen Berufsschule Mecklenburgische Seenplatte“ zusammengefasst, wobei sich jeder einzelne Schulstandort schwerpunktmäßig auf bestimmte Berufsfelder und Ausbildungsberufe konzentrieren soll.

Quelle: Handelsblatt

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