Erfolgreich investieren in den USA
Amerikanern reicht „made in Germany“ nicht

Dauerhaft auf dem hart umkämpften US-Markt bestehen: Eine Tochtergesellschaft zu gründen oder eine lokale Firma zu kaufen, ist meist der richtige Weg. Eine Präsenz über Vertriebspartner reicht oft nicht.

WASHINGTON. Wenn ausländische Unternehmen in den Vereinigten Staaten scheitern, dann meistens, weil sie nicht hinreichend in ein leistungsfähiges Marketing- und Vertriebssystem investieren. Insbesondere deutsche Firmen setzen immer noch zu sehr ausschließlich auf die Qualität ihrer Produkte.

Amerikanische Kunden sind zwar durchaus an „made in Germany“ interessiert, möchten aber von lokalen Anbietern kaufen. Daher entscheiden sich viele ausländische Unternehmen für eine „Amerikanisierung“ durch den Aufbau einer US-Tochtergesellschaft oder durch eine Akquisition.

Für Letzteres gibt es bekannte Beispiele: BASF übernahm für 5,1 Milliarden US-Dollar (US$) den US-Spezialchemieproduzenten Engelhard, Adidas für 3,8 Milliarden US-Dollar den Sportartikelhersteller Reebok und der deutsche Dialysehersteller Fresenius Medical Care für 3,5 Milliarden US-Dollar die Renal Care Group. Thyssen-Krupp will insgesamt drei Milliarden US-Dollar für den Bau von zwei neuen US-Stahlwerken ausgeben, falls die erhoffte Übernahme des kanadischen Stahlproduzenten Dofasco fehlschlagen sollte.

Das Rückgrat der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen bilden jedoch die „kleineren“ Investitionen des deutschen Mittelstands. Rund 2800 Firmen waren 2004 mit Investitionen in einer Größenordnung von insgesamt 200 Milliarden Euro in den USA vertreten. Sie beschäftigten 686 000 Personen und setzten 314 Milliarden Euro um. Fast ein Drittel der gesamten deutschen Auslandsinvestitionen ist in den USA angelegt.

Zu den beliebtesten Investitionsstandorten deutscher Mittelständler haben sich die südöstlichen Bundesstaaten Virginia, North Carolina, South Carolina und Georgia entwickelt. Virginia meldete 2005 ausländische Neu- und Erweiterungsinvestitionen von 437 Millionen US-Dollar, davon entfielen 29 Prozent auf deutsche Firmen. Größtes Vorhaben ist eine Expansion des Waiblinger Motorsägenherstellers Stihl in Virginia Beach für 78 Millionen US-Dollar.

In South Carolina wurden 2005 insgesamt 16 Vorhaben deutscher Firmen im Wert von 311 Millionen US-Dollar registriert: Das Münchner Unternehmen LSP Automotive Systems ist mit 96 Millionen US-Dollar dabei. Der Automobilzulieferer wird Karosserieteile für eine BMW-Produktion in South Carolina sowie ein Mercedes-Werk in Alabama fertigen. In North Carolina arbeiten 30 000 Menschen in 250 deutschen Unternehmen, in Georgia sind es 16 000 Personen in 355 deutschen Firmen. Größter ausländischer Arbeitgeber in Georgia ist Siemens mit 3000 Angestellten.

Gründe für die Wahl der südöstlichen Bundesstaaten sind die vorteilhafte geografische Lage und geringe Kosten – insbesondere im Gegensatz zu nordöstlichen Großstädten. „South Carolina ist ein exzellenter Standort, sowohl wirtschaftlich als auch strategisch“, sagt Wolfgang Maus, Geschäftsführer der Emitec GmbH aus Lohmar. „Unsere Produktionsstätte verschafft uns eine starke Präsenz auf dem US-Markt und erlaubt uns, den Kundenbedürfnissen besser zu entsprechen.“ Das Unternehmen, ein Joint Venture von Siemens und GKN Automotive, produziert dort seit 1997 Katalysatorträger aus Metall für den nordamerikanischen Markt.

Ein weiterer Faktor: Während ein Kontakt zwischen deutscher Zentrale und US-Tochterunternehmen in Kalifornien bei einer Zeitverschiebung von mindestens neun Stunden eigentlich erst nach Feierabend möglich ist, steht der Mitarbeiter in Georgia oder Virginia drei Stunden früher zur Verfügung.

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