Fachkräftemangel
Mittelstand lässt Milliardenumsätze liegen

Zwei Drittel der deutschen Mittelständler müssen Umsatzeinbüßen einstecken, weil es nicht genug Fachkräfte gibt. Die Umfrage offenbart wachsende Zuversicht für die Zukunft, aber auch momentan deutliche Schwächetendenzen.
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BerlinDer wachsende Fachkräftemangel kostet den deutschen Mittelstand einer Studie zufolge jährlich Einnahmeausfälle in Milliardenhöhe. „Fast zwei Drittel der befragten Mittelständler - nämlich 64 Prozent - geben an, dass sie durch den Fachkräftemangel künftig Umsatzeinbußen zu verkraften haben”, sagte der Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, Peter Englisch, am Donnerstag bei der Vorstellung des von seinem Unternehmen erstellten Mittelstandsbarometers. Hochgerechnet dürfte der jährliche Umsatzausfall bei 33 Milliarden Euro liegen. Etwa eine Million zusätzlicher Fachkräfte könnten die Firmen derzeit unterbringen.

Aus der Umfrage unter 700 Mittelstandsfirmen ergab sich nach seinen Worten zudem eine erhebliche Investitionszurückhaltung, die auch mit der Bundestagswahl im September zusammenhängt. „Die Unternehmer sind in der Tat verunsichert, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt”, sagte Englisch. Das betreffe vor allem die Steuerpolitik. „Viele sagen, ich warte erst einmal ab, was rauskommt, dann habe ich eine planbare Perspektive für die nächsten Jahr”.

Die Ernst & Young-Umfrage ergab insgesamt ein gemischtes Bild im Mittelstand: wachsende Zuversicht für die Zukunft, aber deutliche Schwächetendenzen, was die momentane Lage betrifft. Bei der Lagebeurteilung „haben sich die Zahlen deutlich verschlechtert”, sagte Englisch. Nur noch 36 Prozent der Befragten seien rundum zufrieden - der schwächste Wert seit dem Krisensommer 2009. Zugleich verdoppelte sich der Teil derer, die ihre wirtschaftliche Situation als „schlecht” oder „eher schlecht” bewerteten gegenüber dem Vorjahr auf 16 Prozent.

Anders sieht es bei den Aussichten für die kommenden sechs Monate aus. 40 Prozent - nach 34 Prozent im Januar - rechnen mit einer Verbesserung, nur sieben Prozent nach zehn Prozent vor einem halben Jahr mit einer Verschlechterung. Diese Zuversicht spiegelt sich auch in den Umsatzerwartungen wieder und bei den Personalplänen. Bei den drängenden Probleme „hat die europäische Schuldenkrise etwas ihren Schrecken verloren”, wie Englisch sagte. Als die drei größten Risiken gelten derzeit die Energie- und die Rohstoffpreise sowie die Finanzstabilität.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Fachkräftemangel: Mittelstand lässt Milliardenumsätze liegen"

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  • "Die Diskussionsbeiträge kann ich aus meiner Praxis als Interim Personalleiter bestätigen. Eine Facette moechte ich noch zusätzlich einbringen: Als Interim Manager werde ich beauftragt einmal Mitarbeiter zu suchen und auf der anderen Seite auch Mitarbeiter zu entlassen.
    In beiden Faellen ist auffaellig, dass die Bewerber viel zu oft keine aussagekraeftigen Unterlagen zu Verfuegung stellen. Wer eine neue berufliche Herausforderung sucht, hat sollte die Jobsuche wie einen eigenen Job betrachten. Am Anfang stehen die Bewerbungsunterlagen. Es geht dabei nicht um eine tolle (gekaufte) Mappe, interessante Farben etc. Wir Personaler brauchen die Qualifikation des Bewerbers.
    Es ist ein Missverstaendnis, dass wir in der Personalabteilung nur Bewerber einstellen. Einstellungen sind in den meisten Unternehmen eine Zusatzaufgabe die auch nicht oft vorkommt.
    Nur wenn der Bewerber in seiner Unterlage auch auf die Anzeige eingeht, koennen wir Personaler die Unterlagen korrekt bewerten und an die Fachabteilung weiterleiten.
    Fachkraeftemangel ist somit auch von Bewerberseite verursacht.

  • Das Gejammer vom Fachkräftemangel grenzt langsam an Göbelsche Lügenpropaganda. Je öfter wiederholt und von je höherer Stelle wiederholt, desto mehr glauben wir alle dran. Eine sachliche Analyse fehlt, die Einbindung von konkreten Einzelschicksalen (Absolventen, Arbeitslosen, jungen Frauen) in die Aussagen, nirgendwo.
    +++++
    Es gibt viele Erklärungen für den gefühlten Arbeitskräftemangel: Das Management macht Planspiel, wenn wir 1000 Ingenieure (Spezialisten mit Kenntnissen in Mikroprozessor-Design) einstellen würden, dann könnte man einen Mikroprozessor entwickeln, und wenn man dann Intel als Quasi-Monopolisten nur schlappe 10% Marktanteil abnehmen würde, dann könnte sagenhafte 300 Millionen US$ verdienen. Woran scheiterst an den 1000 Spezialisten, die man in Deutschland nicht auftreiben kann  Fachkräftemangel. Das Intel über 40 Jahre im Geschäft ist, Know-How aufgebaut hat, Ingenieure zu Spezialisten macht, den Ingenieuren auch Know-How weitergibt, die Ingenieure auch gut bezahlt, damit die Spezialisten nicht abwandern, wird ausgeblendet.
    +++++
    Anderes Szenario, ein Ingenieur geht mit 65 in Rente. Die Personalabteilung wird davon heimtückisch überrascht. Man sucht schnell nach einen Ersatz (Spezialisten). Es wird eine Liste mit den notwendigen Qualifikationen erstellt (Assemblerprogrammierung für Mikrokontroller M68321x12, Schnittstellenprotokoll X24.987564, Kenntnisse in Qualitätsstandard ISO2098475, Leiterplatten-CAD-Programm Eagle Version 16.5, ....). Diese Liste wird an die Personalabteilung gegeben und ausgeschrieben. Leider konnte kein Spezialist mit der notwendigen Qualifikation  Fachkräftemangel. Das der Alt-Ingenieur auch mal als Absolvent angefangen hat und sich in 40 Jahren in alle notwenigen Technologien eingearbeitet hat, wird vergessen.
    +++++
    Wird fortgesetzt.

  • Das Gejammer vom Fachkräftemangel grenzt langsam an Göbelsche Lügenpropaganda. Je öfter wiederholt und von je höherer Stelle wiederholt, desto mehr glauben wir alle dran. Eine sachliche Analyse fehlt, die Einbindung von konkreten Einzelschicksalen (Absolventen, Arbeitslosen, jungen Frauen) in die Aussagen, nirgendwo.
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    Es gibt viele Erklärungen für den gefühlten Arbeitskräftemangel: Das Management macht Planspiel, wenn wir 1000 Ingenieure (Spezialisten mit Kenntnissen in Mikroprozessor-Design) einstellen würden, dann könnte man einen Mikroprozessor entwickeln, und wenn man dann Intel als Quasi-Monopolisten nur schlappe 10% Marktanteil abnehmen würde, dann könnte sagenhafte 300 Millionen US$ verdienen. Woran scheiterst an den 1000 Spezialisten, die man in Deutschland nicht auftreiben kann  Fachkräftemangel. Das Intel über 40 Jahre im Geschäft ist, Know-How aufgebaut hat, Ingenieure zu Spezialisten macht, den Ingenieuren auch Know-How weitergibt, die Ingenieure auch gut bezahlt, damit die Spezialisten nicht abwandern, wird ausgeblendet.
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    Anderes Szenario, ein Ingenieur geht mit 65 in Rente. Die Personalabteilung wird davon heimtückisch überrascht. Man sucht schnell nach einen Ersatz (Spezialisten). Es wird eine Liste mit den notwendigen Qualifikationen erstellt (Assemblerprogrammierung für Mikrokontroller M68321x12, Schnittstellenprotokoll X24.987564, Kenntnisse in Qualitätsstandard ISO2098475, Leiterplatten-CAD-Programm Eagle Version 16.5, ....). Diese Liste wird an die Personalabteilung gegeben und ausgeschrieben. Leider konnte kein Spezialist mit der notwendigen Qualifikation  Fachkräftemangel. Das der Alt-Ingenieur auch mal als Absolvent angefangen hat und sich in 40 Jahren in alle notwenigen Technologien eingearbeitet hat, wird vergessen.
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    Wird fortgesetzt.

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