Insolventer Radbauer
Familie Puello springt bei Mifa ab

Das Bangen um Mifa geht weiter. Die Radbauer-Familie Puello hat sich überraschend zurückgezogen. Einziger Interessent ist derzeit Alt-Eigner von Nathusius. Gibt es keine Einigung, droht Ende Juni die Zerschlagung.
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DüsseldorfDer Poker um Mifa geht in die nächste Runde. Die Schweinfurter Unternehmerfamilie Puello ist am Mittwoch aus dem Bieterprozess um den insolventen Radbauer ausgestiegen. „Nach reiflicher Überlegung und Abwägung aller kaufmännischen Aspekte, zieht sich die Unternehmerfamilie Puello zum jetzigen Zeitpunkt aus dem Vorhaben zurück“, so die offizielle Stellungnahme der Familie.

Diese war an der Rettung des insolventen Fahrradbauers und der verbleibenden 130 Arbeitsplätze in Sangerhausen interessiert, wollte unter neuem Namen und mit völlig neuem Konzept noch in dieser Saison durchstarten. Eine Erlebnisfabrik war geplant, heißt es aus informierten Kreisen. Statt Massenware für Discounter sollten künftig Markenräder und E-Bikes gefertigt werden.

Die Pläne scheiterten nach Angaben der Puellos jedoch an Alt-Eigentümer Heinrich von Nathusius. Dessen Familie gehört die neue Mifa-Halle. Er verlangt für die Halle die Baukosten von rund 17 Millionen Euro. Der Vorschlag der Puellos, die Halle erst zu mieten und später zu kaufen, sei abgelehnt worden, heißt es in Verhandlungskreisen. Die Option, in die alte Mifa-Halle zurückzukehren, wie es die Stadt Sangerhausen und der Landkreis angeboten hatten, war den Puellos zu teuer und zeitlich aufwendig.

Die Puellos kommen aus einer traditionsreichen Radbauer-Dynastie in Schweinfurt. Susanne Puello leitete seit 1997 den erfolgreichen Radhersteller Winora mit rund 350 Mitarbeitern. „Felix und Susanne Puello haben den Markt für E-Mobilität nachhaltig verändert“, heißt es anerkennend in der Branche.

Die Firma, die seit 2001 zur niederländischen Accell Gruppe gehört, hatte ihr Urgroßvater 1921 gegründet. Auch ihr Mann Felix und Tochter Christina waren dort im Management aktiv. Im März zog sich die Familie überraschend wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ bei Winora zurück. Mifa hätte ein guter Neuanfang für die erfahrenen Fahrrad-Manager sein können.

Nun verbleibt Heinrich von Nathusius, dessen Familie Mifa 2015 aus der Insolvenz übernommen hatte, als einziger Interessent. Die Gläubiger lehnten am Mittwoch jedoch sein bereits nachgebessertes Angebot ab. Er kann jetzt erneut nachbessern. Denkbar wäre auch ein neuer Interessent oder von Nathusius unterbreitet Familie Puello doch noch ein akzeptables Angebot. „Es besteht weiterhin Hoffnung, die Zukunft von Mifa über eine Investorenlösung zu sichern“, sagt Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Findet sich im Juni kein Investor, der den Gläubigern mehr bietet als sie durch eine Stilllegung und Verkauf der Maschinen und Marken bekämen, droht die Schließung. Dann sieht sich Flöther aus insolvenzrechtlichen Gründen gezwungen, den Geschäftsbetrieb zum 1. Juli 2017 stillzulegen. Das Zittern in Sangerhausen geht weiter.

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