Feuerwehrautos
Löschen nach Maß

Chaos bestimmt das Leben in Indonesien: Es gibt keine geregelten Produktionsstandards, die Infrastruktur ist mangelhaft, die Gesetzeslage unsicher. Trotzdem hat der deutsche Mittelständler Ziegler die Expansion in das Land gewagt und fertigt dort Feuerwehrautos - ein Beispiel für erfolgreiche Expansion in Schwellenländer.
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JAKARTA. Thomas Pfister laufen die Schweißtropfen in die Augen. Der Chef von Ziegler Indonesia durchquert die kleine Produktionshalle in Jakartas Osten. Im Schatten der hohen Mauern ist es kaum kühler auf dem Fabrikhof am Rande der indonesischen Hauptstadt. Immer wieder fährt er sich mit der Hand durch die schweißnassen Haare und klettert auf die halb fertigen Feuerwehrfahrzeuge. Rund zwanzig davon stehen verstreut in der Halle.

Chaos bestimmt das Leben in Indonesien: Es gibt keine geregelten Produktionsstandards, die Infrastruktur ist mangelhaft, die Gesetzeslage unsicher. Trotzdem hat der deutsche Mittelständler Ziegler die Expansion in das Land gewagt. Der Spezialist für Feuerwehrtechnik produziert Löschfahrzeuge für den lokalen Markt. Rund 50 Fahrzeuge verkauft Ziegler dort pro Jahr. Die Fabrik in Jakarta fertigt heute nahe an der Kapazitätsgrenze.

Indonesien rückt stärker in den Fokus deutscher Unternehmen, denn das Land mit 240 Millionen Einwohnern und einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von sechs Prozent in diesem Jahr ist ein zukunftsträchtiger Produktions- und Absatzmarkt. "Indonesien ist unter den Asean-Ländern eines der wichtigsten", sagt Jochen Sautter, Leiter des German Centre in Jakarta. "Durch einen starken Binnenhandel dieser Staaten stocken deutsche Firmen ihre Handelsvertretungen zu richtigen Niederlassungen auf." Inzwischen zählt das Auswärtige Amt rund 250 deutsche Firmen in dem südasiatischen Inselstaat.

Die schiere Größe des Landes lockte auch den deutschen Mittelständler Ziegler an. Das Familienunternehmen aus dem schwäbischen Giengen an der Brenz ist einer der weltweit führenden Hersteller von Feuerwehrautos und Feuerwehrpumpen und macht rund 160 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Schon vor 23 Jahren begannen die Schwaben die Zusammenarbeit mit dem indonesischen Omnibushersteller Restu Ibo, eine Tochter von Indonesiens größtem Taxi-Unternehmen Blue Bird Group. 1994 weihten sie die eigene Produktion in Jakarta ein.

Der Start war mehr als holprig. Wie viele mittelständische Unternehmen auch machte Ziegler vor allem die Rechtsunsicherheit in Indonesien zu schaffen. Dazu kam: Feuerwehrfahrzeuge verkaufen sich in Indonesien keineswegs von selbst. Viele Kommunen haben keine Wasserhydranten - konventionelle Feuerwehrautos sind nicht gefragt.

Für den deutschen Mittelständler war aber ohnehin nicht der Verkauf an die Kommunen verlockend, sondern das Geschäft mit indonesischen und internationalen Industrieunternehmen.

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