Finanzierung
Basel und die Folgen

Basel II hat die Bedingungen für Unternehmensfinanzierungen nachhaltig verändert. In der Praxis bestehen aber noch Unsicherheiten - vor allem mit den neuen Ratingverfahren.

Basel II zwingt Banken und Unternehmen zu einer Neuausrichtung ihres Kreditgeschäfts. Und auch die Konditionen der Kreditvergabe verändern sich. Viele der anfänglichen Befürchtungen aber konnten während der sechsjährigen Verhandlungen ausgeräumt werden. Und mittlerweile wächst auch im Mittelstand das Bewusstsein für die Notwendigkeit, sich den veränderten Bedingungen anzupassen. In der Praxis aber bestehen nach wie vor Unsicherheiten, was die neuen Regelungen genau mit sich bringen und wie man sich am besten auf sie einstellen kann.

Die abschließende Rahmenvereinbarung des Baseler Ausschusses liegt erst seit dem 26. Juni 2004 vor, die Umsetzung in nationales Recht steht noch aus, und die Anpassungsreaktionen von Banken und Unternehmen sind in vollem Gange. Die Generallinie für das gewerbliche Kreditgeschäft aber steht fest: Um die eigenen Risiken besser kalkulieren und begrenzen zu können, müssen die Banken bei der Kreditvergabe stärker risikodifferenzierte Konditionen einfordern als bisher und die Bonität ihrer Kunden über ein "baseltaugliches" Ratingverfahren ermitteln. Damit verändern sich auch die Anforderungen an Unternehmen und Selbstständige, die Kredite nachfragen. Sie müssen sich auf die geänderten Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe einstellen und größere Bereitschaft zu Transparenz und Offenheit zeigen.

Im Ergebnis führen die neuen Eigenkapitalrichtlinien zu einer stärkeren Spreizung der Kreditkonditionen: zugunsten von Kreditnehmern besserer Bonität und zulasten solcher mit schlechterer Zahlungsfähigkeit. Eine generelle Verschärfung der Kreditkonditionen ist dadurch allerdings nicht zu erwarten - auch nicht für KMU. Zwar weisen statistisch gesehen diese Firmen im Vergleich zu Großunternehmen ein durchschnittlich höheres Ausfallrisiko auf - viele dieser Betriebe fallen aber mit ihren Kreditwünschen in das Breitensegment Banken, das wegen geringer Einzelkreditvolumina und hoher Diversifikation eine niedrigere Eigenkapitalunterlegung der Banken erfordert. Diese und andere mittelstandsfreundliche Maßnahmen, die Eingang in den Basel-Prozess gefunden haben, werden eine angemessene Kreditversorgung sicherstellen. Die bisherige, höchst ungerechte Praxis der Subventionierung bonitätsmäßig schlechter durch gute Kreditnehmer aber geht definitiv zu Ende. In Zukunft wird ein Ratingverfahren grundsätzlich risikokonforme Konditionen sicherstellen und darüber entscheiden, ob es für Unternehmen zu Zinsentlastungen oder zu einer Verteuerung von Krediten kommt.

Für Großunternehmen sind Ratings seit langem eine Selbstverständlichkeit. Als Akteure an den Kapitalmärkten müssen sie sich dem Urteil von Rating-Agenturen wie Standard&Poor's stellen. Für viele KMU, die sich nun für die Kreditaufnahme bankinternen Ratings gegenüber sehen, sind Ratingverfahren dagegen Neuland. Die Verfahren und Methoden zur Risikoklassifizierung können zwar von Bank zu Bank variieren, müssen aber grundsätzlich "baseltauglich" sein.

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