Finanzierungslücke
Hunderten von Mittelständlern droht die Insolvenz

Die milliardenschwere Finanzierungslücke im Mittelstand ist seit langem bekannt: Etliche Mezzazine-Programme laufen aus und viele Firmen brauchen frisches Eigenkapitel - bis zu fünf Milliarden Euro im kommenden Jahr. Bisher scheinen die Unternehmer und Banken die Gefahr allerdings zu ignorieren.
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FRANKFURT. Bis zu fünf Milliarden Euro Eigenkapital müssen sich Mittelständler in Deutschland im kommenden Jahr insgesamt neu beschaffen. Das Problem ist zwar schon seit langem bekannt, doch Branchenexperten zufolge gelang es bislang nur wenigen der rund 650 betroffenen Unternehmen, das Kapital zu sichern. Hunderten von Firmen droht damit die Insolvenz.

Hintergrund ist, dass viele der in den Jahren 2004 bis 2007 aufgelegten Mezzanine-Programme auslaufen. Mezzanine ist eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital, das Banken den Mittelständlern zur Verfügung gestellt hatten. Doch inzwischen gibt es keine Mezzanine-Programme mehr, die Unternehmen müssen sich anders finanzieren.

"Die Zeitbombe tickt, und sie tickt mit jedem Tag lauter", sagt André Schulten, Managing Partner bei der Investmentboutique Network Corporate Finance (NCF). "Weil das Problem verschleppt wird, werden wir künftig höchstwahrscheinlich noch höhere Ausfälle sehen." Bislang gab es etwa 70 Pleiten bei Firmen, die seit 2004 so genanntes Standard-Mezzanine genutzt haben. Ausschlaggebend war aber Betrug, Überschuldung oder die Folgen der Rezession. Die Probleme der Refinanzierung kommen erst ab 2011 hinzu. "Der wahre Sturm steht noch bevor", sagt Richard Enning, Chef des Autowaschanlagen-Betreibers Mr. Wash. Die Essener Firma ist eine der wenigen, die ihre Refinanzierung sicher gestellt hat.

Das gelingt aber nur den Firmen problemlos, die über gute Bonität und solide Ergebnisse verfügen. Einer nicht repräsentativen Studie der Privatbank Hauck & Aufhäuser zufolge, können knapp vier Fünftel der Betroffenen die Refinanzierung nicht aus Rücklagen und laufenden Einnahmen stemmen. Genau hier liegt das Problem: Viele Firmen sind hoch verschuldet und schreiben zum Teil Verluste. Ihnen bleibt häufig als Lösung nur weit teureres Individual-Mezzanine oder die Beteiligung eines Finanzinvestors. Doch selbst wenn das aus Sicht des Unternehmens in Frage käme: Niemand will in ein überschuldetes Unternehmen Geld stecken, wenn die Alt-Gläubiger nicht auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Doch dazu sind wiederum die Banken nicht bereit.

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  • Die lieben Mezzaninegeber verschweigen gerne, dass sei den Unternehmen den Mezzaninemist geradezu aufgerängt haben und dabei selbst nicht ansatzweise an das Problem der Anschlußfinanzierung gedacht haben. Wer selbst nicht mal für 5 Cent vorausdenken kann, sollte den ball selbst besser etwas flach halten.
    Aber es wird richtig interessant werden, wenn das Feuerwerk losgeht. bleibt zu hoffen, dass die handelnden Personen bei den Finanzierern ihre verdienten Schläge bekommen.

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