Finanzinvestoren
Kulturen treffen aufeinander

Die Bereitstellung von Eigenkapital für den deutschen Mittelstand durch Private-Equity-Häuser ist zum festen Bestandteil der Finanzierungskultur geworden. Deshalb müssen sich auch die Unternehmer an neue Spielregeln gewöhnen. So lauteten die Kernbotschaften beim Round-Table-Gespräch „Mittelstandsfinanzierung“ des Handelsblatts in Frankfurt.

FRANKFURT. „Einer der Gründe für die recht dynamische Entwicklung des Marktes ist sicherlich die schwierige Nachfolgeregelung bei Familienunternehmen“, sagte Roman Schmidt, Global Head Corporate Finance bei der Commerzbank. Industrielle Käufer – im Fachjargon als „trade buyer“ bezeichnet – finde man nicht an jeder Ecke. Folglich eröffneten sich für die Finanzinvestoren neue Spielfelder. „Eigentlich waren viele Mittelständler auch vor zehn Jahren schon verkaufswillig, aber durch die Private-Equity-Häuser ist inzwischen auch eine finanzstarke Nachfrageseite entstanden“, ergänzte Schmidt.

„Industrielle Käufer scheiden oft wegen Kartellproblemen aus“, sagte Karsten Hartmann, Geschäftsführer beim Finanzinvestor HgCapital. Sein Haus gehört neben Gesellschaften wie der DBAG, Equita, Halder oder Hannover Finanz zu den aktivsten Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland. Zu den Beteiligungen zählen unter anderem der Verpflegungsanbieter Hofmann Menü und der Sitzheizungsspezialist W.E.T. Automotive Systems.

Im Marktsegment mit Unternehmenswerten zwischen 100 Mill. und 400 Mill. Euro gibt es in Deutschland nach Schätzung von Hg-Capital insgesamt etwa 20 aktive Beteiligungsfonds. Hartmann glaubt, dass die Familienunternehmer einen Imageverlust befürchten, wenn sie Gesellschaften an einen industriellen Konkurrenten veräußern, der anschließend Stellen abbaut. „In der Region wird der Unternehmer, der verkauft hat, dann schnell angefeindet“, sagte der Beteiligungsmanager.

„Die wachsende Akzeptanz wird sich in handfesten Transaktionen niederschlagen“, glaubt Udo Simmat, Partner in der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Der milliardenschwere Einstieg von Blackstone bei der Deutschen Telekom zeige, dass auch die Bundesregierung auf Private Equity setzt. Dies werde sich positiv auf den Gesamtmarkt und damit auch auf das mittlere Marktsegment auswirken.

Die Finanzinvestoren nach angelsächsischem Vorbild werden wegen der Zunahme der Deals heute verstärkt wahrgenommen. Sie sammeln bei institutionellen Investoren Geld ein, das sie dann für Minderheitspakete oder Firmenkäufe einsetzen. Nach einer mehrjährigen Haltedauer bringen sie ihre Unternehmen an die Börse oder reichen sie an einen industriellen Erwerber weiter. Am Ende einer Transaktion wollen die Private-Equity-Häuser eine Rendite erzielen, die deutlich über der der öffentlichen Finanzmärkte liegt.

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