Forfaitierung
Forderungsverkauf sichert Exportgeschäfte ab

Forfaitierung kann für Mittelständler ein gutes Instrument sein, um Exportgeschäfte abzusichern und sich außerhalb von Kreditlinien liquide Mittel zu verschaffen. Wie der Forderungsverkauf funktioniert. Und wann es ratsam ist, Rechnungen selbst einzutreiben.

KÖLN. Das Prinzip ist schnell erklärt: Was im Fachjargon Forfaitierung heißt, ist nichts anderes als der Weiterverkauf einer unbezahlten Rechnung an die Bank oder einen andere Geldgeber. Unternehmer müssen also nicht auf die Zahlungsbereitschaft ihrer Kunden hoffen, sondern haben die Rechnungssumme sofort auf dem Firmenkonto verbucht. Und können damit, selbst wenn lange Zahlungsziele vereinbart sind, sicher die nächsten Schritte planen.

Trotz solcher Vorzüge ist der Verkauf offener Rechnungen an Hausbanken längst kein gebräuchliches Finanzierungsinstrument: "Die Forfaitierung wird von Mittelständlern noch eher selten genutzt", bestätigt Edith Weymayr, Leiterin Financial Engineering Center Süd bei der Commerzbank AG. Sie sei sogar noch deutlich weniger bekannt als das verwandte Factoring - bei dem Unternehmer im Unterschied regelmäßig alle ihre Forderungen an einen Dienstleister abtreten.

Dabei können Mittelständler, die den Verkauf ganzer Forderungs-Portfolios meiden wollen, mit Forfaitierung in das alternative Finanzierungsinstrument einsteigen, bestätigt die Münchener Finanzberatung Proventis, die sich auf kleine und mittlere Betriebe spezialisiert hat - vor allem beim Export, sagt Rainer Wieser, Finanzierungsexperte bei Proventis.

Denn gerade Außenhandelsgeschäfte werden durch den Forderungsverkauf häufig sicherer: Der Exporteur verkauft dann nämlich nicht nur die Forderung gegenüber seinem Geschäftspartner an seine Bank, im Fachjargon den Forfaiteur. Nachdem er den Großteil der abgetretenen Forderungssumme sofort ausbezahlt bekommt, geht auch das Ausfallrisiko komplett an die Bank über. Im Klartext: Das exportierende Unternehmen bekommt sein Geld unabhängig davon, ob der Auslandskunde plötzlich zahlungsunfähig oder schlicht unwillig wird; ebenso, wenn der Abnehmer zwar zahlen möchte, aber nicht zahlen kann, etwa wegen eines Kriegs oder behördlichen Anordnungen in seinem Heimatland. Mahnung und Inkasso - in solchen Fällen für Unternehmer oft extrem aufwändig - obliegen dann dem Forfaiteur.

Ayhan Bahadir, Chef des Mönchengladbacher Stahlhandels AGH Metal, verkauft regelmäßig Forderungen seiner Auslandskunden an Banken weiter. Nachdem er einmal vier Jahre darauf gewartet hatte, bis eine Rechnung aus dem Iran beglichen wurde, nimmt der Unternehmer auch die Kosten der Forfaitierung gerne in Kauf: Bis zu zehn Prozent des Warenwerts kann allein die Absicherung gegen Ausfälle je nach Exportland ausmachen.

Eine Einmalprovision für das Vertragswerk und die Bonitätsprüfung des Schuldners, laufende Prüfungskosten, Zinsen und eine Marge fallen zusätzlich an. Dazu können Kosten für eine staatliche Ausfuhrdeckung kommen, landläufig als Hermes-Bürgschaft bekannt. Die Zusatzversicherung verlangen forfaitierende Banken bei wirtschaftlich oder politisch instabilen Ländern regelmäßig, um ihr eigenes Risiko wiederum abzusichern. Zahlt der ausländische Abnehmer nicht, springt dann am Ende der deutsche Staat ein.

Ein Rückgriff auf den Forderungsverkäufer ist dagegen bei Nichtzahlung in der Regel ausgeschlossen. Für rechtlichen Bestand und Durchsetzbarkeit der Forderung haftet der Exporteur aber trotzdem, heißt es auf der Website der Dresdner Bank. Sprich: Der Verkäufer muss die Ware vertragsgerecht und zum vereinbarten Termin liefern. Das Beheben von Mängeln bleibt ebenso Sache des Exporteurs.

Proventis-Experte Wieser rät Mittelständlern, Forfaitierung nicht nur zur Sicherheit, sondern auch als Finanzierungsinstrument zu nutzen: "Ein großer Pluspunkt ist die sofortige Liquidität, die durch den Forderungsabritt für den Unternehmer entsteht." In manchen Fällen sei Forfaitierung sogar günstiger als ein klassischer Bankkredit: "Das gilt vor allem, wenn die Bonität des Kunden besser ist als die des Forderungsverkäufers." Die Logik dahinter: Anders als beim Kredit richtet sich der Wert einer angekauften Forderung nicht so sehr nach der Bonität des Unternehmers, der sie verkauft - sondern nach der Bonität seines Schuldners.

Gleichwohl hängen die Kosten des Forfaitierungs-Geschäfts auch von der Kreditwürdigkeit des Exporteurs ab. "Und von der Frist, innerhalb welcher der Kunde die Forderung bezahlen muss", sagt Wieser, der wegen des Kostenaspekts einen Abtritt nicht in jedem Fall empfiehlt: Hat der Exporteuer einen Kunden mit sehr guter Bonität, der auch schnell bezahlt, ist die Forfaitierung nach seiner Einschätzung unsinig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%